Der verbotene Handschlag: Wenn der Islam Frauen zu Männern erklärt

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Hoppala, das ging ganz schön nach hinten los. Da wollten die Hardliner im Iran Stimmung gegen den im Frühjahr zur Wiederwahl stehenden Präsidenten Hassan Rohani machen und machten sich doch nur lächerlich. Leidtragende der Posse ist Deutschlands Umweltministerin. Man muss Barbara Hendricks nicht mögen, aber das hat sie nun wirklich nicht verdient. Und auch ihre zu Unrecht gescholtene iranische Kollegin kann einem leidtun. Massumeh Ebtekar, Vizepräsidentin und Leiterin der Umweltbehörde ihres Landes, hatte Hendricks bei einem Treffen in Berlin per Handschlag begrüßt – und wurde dafür von Teilen der iranischen Medien heftig kritisiert. Grund war die von der staatlichen Rundfunkgesellschaft Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB) verbreitete Falschmeldung, Ebtekar habe einem Mann die Hand gegeben. Für islamische Frauen ist dies ein unverzeihliches Vergehen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Skandalmeldung, bevor das peinliche „Missverständnis“ aufgelöst wurde. Doch die Klarstellung der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim war alles andere als schmeichelhaft: Bei der Person, der Ektebar die Hand geschüttelt habe, handele es sich um eine Frau, auch wenn diese „wie ein Mann aussieht“, ließ die Agentur verlautbaren. Man weiß nicht so recht, ob man sich mehr für die ursprüngliche Falschmeldung oder die anschließende Richtigstellung fremdschämen soll.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der IRIB-Meldung nicht bloß ein Versehen zugrunde lag, denn den erzkonservativen Verantwortlichen des iranischen Staatsfernsehens ist ihr gemäßigter Präsident ein Dorn im Auge. Zu viel Einfluss haben sie seit der bitteren Schlappe der religiösen Hardliner bei den Parlamentswahlen im Februar verloren. Da möchte man jede noch so absurde Gelegenheit nutzen, um die politische Führung des Landes zu diskreditieren, die wie lange keine iranische Regierung zuvor den Dialog mit den westlichen Mächten sucht. Rohani, der 2003 als Chefunterhändler berufen worden war, gilt als einer der frühen Architekten der Einigung im 13-jährigen Atomstreit des Irans mit dem Westen. Zwar wurde er unmittelbar nach der Amtsübernahme seines Vorgängers im Präsidentenamt, Mahmud Ahmadinedschad, schon nach zwei Jahren auf seinem Posten ersetzt, doch hatte er mit taktischem Geschick die Grundlage für die Annäherung der Parteien gelegt und die seinerzeitige Einschaltung des UN-Sicherheitsrates verhindert. Dem Iran bekommt es sichtlich gut, dass Rohani, der „Besonnenheit und Hoffnung“ als Motto seiner Regierung ausgegeben hat, nach der martialischen Rhetorik Ahmadinedschads zurückhaltendere Töne anschlägt. Dass der Angriff auf seine Vertraute Ektebar ins Leere lief, schwächt die religiösen Fundamentalisten allerdings weiter und dürfte den innenpolitischen Ton bis zur Präsidentschaftswahl im Mai 2017 verschärfen.

Abseits der iranischen Innenpolitik verdeutlicht der „Handschlag-Skandal“ einmal mehr, wie es im Islam nicht nur um das Frauenbild bestellt ist. Natürlich kann man das Händeschütteln unterlassen, etwa aus hygienischen Gründen. Vielleicht aber auch, weil man es aus der eigenen Kultur nicht kennt. Oder aber schlicht deshalb, weil man jemanden nicht mag. Stets ist dies dann allerdings eine ganz persönliche Entscheidung. So, wie es eine ganz persönliche Entscheidung sein sollte, ob man sich als Frau verschleiert und wen man zum Ehemann nimmt, wenn man denn überhaupt mag. Doch solange der Islam sein mittelalterliches Frauenbild nicht ablegt, kann er keinen gleichberechtigten Platz in der aufgeklärten westlichen Hemisphäre beanspruchen. Denn einer Religion, die Frauen den Händedruck gegenüber Männern verbietet, fehlt es an der wesentlichen Grundlage des Zusammenlebens: Dem Respekt vor dem Einzelnen. Statt es Muslimas selbst zu überlassen, ob und wem sie die Hand geben, verhindert der Islam die Darbietung einer weithin als Zeichen der Freundschaft und der Verständigung bekannten Geste. Vor allem zwingt er Frauen dazu, ihr männliches Gegenüber zu brüskieren. Und der Westen schweigt, weil er es sich mit seinen strategischen Partnern in der islamischen Welt nicht verderben will. Eines zeigt der Wirbel um den vermuteten Händedruck einer Frau mit einem Mann: Der Islam hat noch einen weiten Weg vor sich. Die Politik sollte dies bei allem, was sie tut, berücksichtigen.


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Ramin Peymani
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