Der Kampf um Syrien: Ein Land als Spielball geostrategischer Interessen

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Voller Sorge schaut die Welt auf Syrien. Wie geht es weiter, nachdem alliierte Streitkräfte in der Nacht zum Samstag drei Ziele in Douma bombardiert haben? Immer unübersichtlicher ist die Lage. Wir alle sind gefangen in einem Dickicht aus Propaganda und Lügen. Niemand, der beurteilen könnte, was wahr ist und was falsch. Groß ist dabei die Zahl derer, die sich in Zeiten maximaler Orientierungslosigkeit an die offizielle Darstellung westlicher Regierungen klammern. Doch es gibt auch viele kritische Stimmen. Und das ist gut so. Denn es gehört zu einer lebendigen Demokratie, Regierungshandeln zu hinterfragen. Deutschland tut sich damit allerdings besonders schwer. Erst recht, seit Angela Merkel durch fatale Weichenstellungen das Land tief gespalten hat. Zivilisierte Diskussionen, in denen man sich gegenseitig zuhört, sind kaum mehr möglich. Es scheint nur noch Freunde und Feinde zu geben – je nachdem, ob jemand den eigenen Standpunkt teilt oder nicht. Und auch im Syrien-Konflikt stehen sich zwei Lager unversöhnlich gegenüber. Wehe dem, der Fragen stellt. Wer den Militärschlag der westlichen Alliierten nicht uneingeschränkt gutheißt, wird als Putin-Troll verunglimpft. Es ist äußerst bemerkenswert, dass ausgerechnet die, denen nach der US-Wahl keine Verbalinjurie gegen den amerikanischen Präsidenten zu billig war und die seinerzeit Amerika, seine Wähler und sein Wahlsystem verspotteten, heute jedem Antiamerikanismus unterstellen, der das aktuelle Bombardement in Syrien kritisch sieht.

Im Irak war schnell klar: Die Massenvernichtungswaffen und etwaige Produktionskapazitäten hatte es nie gegeben

Dabei gibt es gute Gründe, an der Darstellung zu zweifeln, dass Syriens Präsident Bashar Al-Assad nun Giftgas eingesetzt haben soll. Man muss dazu gar nicht die historische Lüge bemühen, mit der 2003 der Angriff auf den Irak gerechtfertigt worden war. Schnell war damals klar: Die Massenvernichtungswaffen und Produktionskapazitäten hatte es nicht gegeben. Erst in vielen Jahren, vielleicht aber auch niemals, dürfen wir hoffen, die Wahrheit über Syrien zu erfahren. Die Inspektoren müssen sich allerdings auf Bodenproben und Zeugenbefragungen beschränken, weil die vermuteten Giftgasanlagen ausgerechnet in der Nacht vor deren Ankunft weggebombt worden waren. So sind wir also weiterhin der Propaganda aller Seiten ausgeliefert. Doch statt sich gerade in dieser undurchsichtigen Lage so breit wie möglich zu informieren und sämtlichen Darstellungen gegenüber gleichermaßen skeptisch zu sein, verengen viele den Blick auf die Statements westlicher Regierungssprecher. Und die kennen in Syrien nur einen Täter. Opfer ist die Zivilbevölkerung, die mal von den Regierungstruppen, mal vom “Islamischen Staat” als Geisel genommen wird. Zweifellos ist Assad nach allen gängigen Maßstäben kein demokratisches Staatsoberhaupt. Das ist aber auch Recep Tayyip Erdoğan nicht, und sicher auch nicht Saudi-Arabiens König Salman. Sie pfeifen ebenso auf die Menschenrechte wie Assad und viele andere Führer in der Region, sitzen aber unangefochten im Sattel, weil sie strategisch gebraucht werden.

Nicht um die Menschen geht es bei alledem, sondern um die kalkulierte Durchsetzung geostrategischer Interessen

Assads Uhr ist nun offenbar abgelaufen. Und wie jeder andere Sturz zuvor, wird auch die Entfernung des syrischen Herrschers die Region weiter destabilisieren. Nicht um die Menschen geht es bei alledem, sondern um die kalkulierte Durchsetzung geostrategischer Interessen. Keine Seite, weder der Westen, noch Russland, handelt aus Altruismus. Doch wer sich als erklärter Trump-Hasser nun plötzlich auf die Seite Washingtons stellt, um Moskau zu verdammen, macht sich unglaubwürdig. Klüger wäre es, alle offenen Fragen auf den Tisch zu legen und sie systematisch abzuarbeiten, ohne Schaum vor dem Mund und ohne ideologische Scheuklappen. Zu diesen Fragen gehört allemal, welche Rolle die sogenannten Weißhelme in Syrien spielen. Die offiziell als “Syrian Civil Defence” auftretende britische Organisation, deren Finanzierung und Leitung erkennen lässt, dass sie die westlichen Interessen im syrischen Konflikt vertritt, wird hierzulande kaum hinterfragt. Doch nicht nur das: Durch die von ihren weißen Helmen abgeleitete Namensgebung wird suggeriert, es handele sich um eine Art UN-Friedenstruppe oder gar einen Ableger der “Ärzte ohne Grenzen”, also eine neutrale Instanz. Dies ist mitnichten so. Vielmehr sieht sich die private Organisation immer wieder Propagandavorwürfen gegenüber, nicht zuletzt durch zweifelhaftes Filmmaterial und offenbar fingierte Fotos. Sie könnte in der Tat ein Interesse daran haben, den Konflikt anzuheizen. Vielleicht sogar durch Giftgas. Doch wen kümmert das, wenn doch alles so klar ist, dass man nicht einmal mehr Beweise benötigt…

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Ramin Peymani
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Publizist, Autor der bekannten Klodeckel Chroniken - neuestes Werk "Hexenjagd" im Handel erhältlich

8 Kommentare

  1. Auszug aus meiner Heimatzeitung, Offenbach Post vom 16. April Seite zwei: WAS sagt das Völkerrecht? Neben Sanktionen oder Blockaden sieht die Charta (Gründungsvertrag) der Vereinten Nationen militärische Schritte als letztes Mittel zur Friedenssicherung vor. Für eine militärische Intervention sehen Völkerrechtler zwei eindeutige Regelungen: 1. Ein explizites Mandat des UN-Sicherheitsrates, gestützt auf Kapitel 7 der UN-Charta. Es soll greifen, wenn die UN Weltfrieden und internationale Sicherheit bedroht sehen.Artikel 41 regelt, welche Maßnahmen jenseits militärischer Gewalt ergriffen werden können – wie Wirtschaftssanktionen. Reicht das nicht, kann der Sicherheitsrat laut Artikel 42 zu militärischen Mitteln greifen. 2. Das in Artikel 51 geregelte ,,naturgegebene“ Recht zur Selbstverteidigung. Darauf beriefen sich die USA, als sie nach dem 11. September 2001 die Taliban und Al-Kaida in Afghanistan angriffen. Umstritten ist die Zulässigkeit einer ,,Intervention auf Einladung“, bei der eine Regierung zur Lösung innerer Konflikte um Unterstützung ausländischer Truppen bittet. Zitat Ende Wurde das Völkerrecht verletzt? Das entscheidet wie immer der Sieger. Auf den müssen wir noch etwas warten. – und die syrischen Flüchtlinge bei uns auch. Die werden sich über den Aufschub freuen, ebenso unsere Asylindustrie und alle guten Menschen.

  2. Die angeblichen Giftgasanlagen von Assad wurden also
    kurz vor der Überprüfung der Inspektoren zerbombt !
    Keinen besseren Beweis gibt es nicht, dass auch dieser
    Krieg wieder durch Lügen begonnen wurde.
    Ich glaube nicht das Putin bei der Entfernung von Assad
    tatenlos zuschauen wird !
    Kriegs-Treiber sind die westlichen Schurkenstaaten.

  3. Ich lach mich schlapp die Amerikaner wollen neue Sanktionen gegen Russland. Nur zu
    https://www.tagesspiegel.de/politik/nach-angriffen-in-syrien-usa-kuendigt-neue-sanktionen-gegen-russland-an/21175470.html

    Ich fordere die EU sofort dazu auf Sanktionen gegen die Amerikaner zu verhängen wegen des Einsatzes von Phosophor in Syrien
    https://de.sputniknews.com/panorama/20170927317613943-us-koalition-angriff-phosphor-syrien/

    und die CIA-Direktorin auf die Fahndungsliste von Interpol zu setzen. Ein internationaler Haftbefehl gegen die neue CIA-Direktorin muss sofort herausgegeben werden. Europol muss sofort das gesamte CIA Führungteam verhaften udn vor Den Haager Gericht anklagen
    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/humor-und-folter

  4. Was die USA und EU mit Ihren Bürgern außenpolitisch
    betreibt, ist der blanke Hohn.
    Selbst bei AFD-Wählern ist die Information sehr bescheiden.
    Als ich am Stammtisch erzählte, dass die USA, 4000 IS-Terroristen
    nach den Syrien Krieg freies Geleit gegeben hat, glaubte mir das
    keiner. Dies stand selbst in einigen Mainstream-Medien, wenn auch
    nur sehr klein und kurz. Den Leuten wird teilweise eingetrichtert,
    dass Trump die Positionen der AFD vertritt, wollen deshalb nichts
    schlechtes über Ihm lesen oder hören. Das ist leider nicht so !

    • Wieso beschwerst du dich?

      DU willst ja auch nichts Schlechtes von Frau Weidel hören und holst in solchen Fällen sogar die Nazikeule raus. WEIDEL GUT und die Einzige Rettung! Wer dagegen etwas sagt ist ein Arschloch. Typischer Betonkopf, der keinem Argument zugänglich ist. Dein Stammtisch passt dann wohl haargenau. Gesucht und gefunden. Glückwunsch.

  5. Das Verbrecherkartell USA, Frankreich und GB als Alliierte zu bezeichnen ist ein Hohn. Es ging ausschlißlich darum, einen Gesichtsverlust des Großmauls Trump zu verhindern. Also niederste Beweggründe Natürlich greift Putin bei solchen Theaterstückchen nicht ein. Ein paar mehr Löcher in einer Syrischen Wüste jucken niemanden. Nichtmal Assad. Seine Luftabwehr mit teils 50 Jahre altem Material hat prima gefunzt. Wenn er über S 300 S 400 und auch in 2 Jahren über S 500 verfügt ?? Dem Ödipussy Macrönchen ging einer ab, der ollen Dörrpflaume May vielleicht auch noch und das Maasmännecken durfte seinen Senf auch dazugeben. Motto: Wir sind wieder wer. Angola Murksel hockt im Führerbunker und kaut Fingernägel oder den Rest davon der noch übrig ist.

  6. Diese umfassenden geostrategischen Interessen gehen vermutlich vom Großkapital aus und das befindet sich in den Händen weniger und somit werden alle zum Spielball einer kleinen Gruppe und hoffentlich dämmerts bald. denn da hatten einige schon im letzten Jahrhundert ihre Bedenken und solange die am Ruder sind wird sich auch nichts ändern, es sei denn, man setzt sie fest um dieses Treiben zu beenden, wobei das sicherlich ein frommer Wunsch bleibt, denn sie ködern sich einfach Politiker und somit die Gesetzgebung und solange dies der Fall ist, werden sie weiterhin ihr Unwesen fortsetzen ohne befürchten zu müssen, daß sie im Gefängnis landen und so wird es weiter gehen, bis zum entgültigen Untergang, dem sie dann auch nicht mehr entfliehen können.

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