Das Zeitalter der Aufklärung ist vorbei, die Katastrophe ist die Gegenwart!

Das Gehirn auf Rädern, der szientistische Endzeitprophet Stephen Hawking, soll vor einigen Tagen verkündet haben, dass die Erde in hundert Jahren unbewohnbar sei und die Menschheit sich ins Weltall aufmachen solle, um ihr Überleben zu sichern. Mit einer ähnlich düsteren Vorhersage zu den angeblich schwindenden Erdölvorräten machte seinerzeit der „renommierte“ Club of Rome die noch jungen ökopopulistischen NGOs wie Greenpeace hoffähig. Welcher Zweck wird mit Hawkings Panikmache verfolgt, denn seine Aussage wurde bewusst von den Medien verfälscht?

Stephen Hawking photo
Foto by elhombredenegro

Hawking begann einmal als lupenreiner Szientist, der sich überzeugt davon gab, jedes Phänomen inklusive der Existenz oder Nicht-Existenz Gottes in einer Formel ausdrücken zu können. Der Begriff Szientismus geht auf den französischen Biologen Félix le Dantec (1869–1917) zurück, die englische Variante „Scientism“ bringt es noch stärker zum Ausdruck, worum es sich bei diesem Weltbild handelt. Es geht um Glauben, nicht mehr um Wissenschaft und Erkenntnis. Wissenschaft kann alles, muss alles, darf alles und alles, was nicht wissenschaftlich erklärbar ist, kann es nicht geben, allenfalls als Theorie, die erst zum Naturgesetz erhoben wird, wenn die Hüter dieser Wissenschaften die gelieferten Beweise anerkennen. Dem Normalsterblichen bleibt von Anfang an nichts weiteres übrig, als entweder das jeweils gültige wissenschaftliche Weltbild zu akzeptieren – denn wohl nur die wenigsten können die Relativitätstheorie von Einstein widerlegen oder selber nachvollziehen – oder eben weiterhin einem „unaufgeklärten“ Weltbild anzuhängen und im Ernstfall gar die Evolutionstheorie abzulehnen. Wer an die Wissenschaft glaubt und ihr vertraut ist ein Szientist, der nicht weiß, wovon die Gelehrten sprechen, weil er ihre Sprache nicht versteht. Ähnlich hielt es die katholische Kirche bis zur Bibelübersetzung durch Martin Luther, heute machen sich die Eliten die Wissenschaftshörigkeit der aufgeklärten westlichen Bevölkerung zunutze.

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Was hat Hawking nun wirklich gesagt? Schon in früheren Arbeiten rechnete er innerhalb der nächsten tausend Jahre mit einer Katastrophe, die alles Leben auf der Erde vernichten würde. Jetzt korrigierte er den Zeitraum auf hundert Jahre. Von zur Neige gehenden Ressourcen und Hungersnöten hat er nicht gesprochen. Nun aber ist die Panikstory in die Welt gesetzt und kann mit allerlei totalitären Knappheitsphantasien angereichert werden.

Wie Hawking ferne Planeten für die Menschheit bewohnbar machen will, soll im Sommer in der BBC-Dokumentation „Expedition New Earth“ den Unwissenden vermittelt werden. Dabei wird es vor allem um Stoff für sogenannte Verschwörungstheoretiker gehen. Der Mars ließe sich nur durch sogenanntes Geoengineering in einen für Menschen bewohnbaren Planeten verwandeln, bei Planeten mit etwas lebensfreundlicheren Bedingungen und einer vorhandenen Fauna und Flora wären die Anpassungen nicht ganz so extrem, aber aus heutiger Sicht natürlich völlig utopisch, denn die Sache mit den „Chemtrails“ ist doch völliger Humbug, oder etwa nicht? Auch für Transhumanisten ist die Doku interessant, schließlich lässt sich ja auch der Mensch mittels Gentechnik an die neue Umgebung anpassen, auch Cyborg-Technologien dürften keinesfalls zu kurz kommen.

Am besten, wir fangen heute schon an mit den ganzen Experimenten, die Zeit läuft ab. Mit Hawking findet sich bestimmt erneut ein (unfrei?) williger Fürsprecher, man muss nur ein wenig graben, um passende Zitate zutage zu fördern:

„Selbstverständlich werden viele Menschen ein Verbot der Manipulation am menschlichen Genom fordern, aber ich bezweifle stark, dass sie es verhindern können. […] Vorausgesetzt wir schaffen uns keine totalitäre Weltordnung, wird einer irgendwann irgendwo optimierte Menschen erschaffen. […] am Ende des nächsten Jahrtausends – sofern die Menschheit bis dorthin gelangt – werden die Veränderungen fundamental sein.“ – Wem gehört die Zukunft? Übersetzung Christian Benne. DIE WELT 20.3.1999

Da erschließen sich ganz neue Wege für bestehende in Verruf gekommene Religionsgemeinschaften.

Scientologen sollten ihre albernen „E-Meter“ genannten Auditgeräte endlich wegwerfen und sich von Stephen Hawking eine coole Mindcontrol-App für Mitglieder-Smartphones entwerfen lassen.

Die Zeugen Jehovas haben sich schon mehrmals bei der Apokalypse geirrt und hüllen sich nun deshalb in eisiges Schweigen über den richtigen Zeitpunkt, warum benennen sie sich nicht in Zeugen Hawkings um, dann klappt’s vielleicht auch wieder mit Russland?

Dann gibt es da noch diese Raelianersekte, die angeblich schon Menschen geklont haben soll und Adolf Hitler ein zweites Mal zum Leben erwecken will, damit er vor Gericht für seine Taten bestraft wird. Schriftsteller Michel Houellebecq (Unterwerfung) ist mit Sektengründer Rael befreundet. Sein Roman „Die Möglichkeit einer Insel“ befasst sich ausführlich mit den Lehren dieser Gemeinschaft.

Die Kritik aus der aufgeklärten Welt der Wissenschaft an solchen neueren Psychokulten und Ufo-Sekten lautet immer gleich. Hier würden geschickt wissenschaftliche „Fakten“ mit alten religiösen Konzepten gemischt, worauf ihr Erfolg beruhen würde. Wer glaubt heute noch an Adams Rippe? In den USA zweifeln angeblich neunzig Prozent an der Evolutionstheorie nach Charles Darwin. Statt darin etwas Positives zu sehen, nämlich die Ablehnung des rein materialistischen Weltbilds und der durch den Darwinismus erst befeuerten Rassenlehren mit all ihren Auswirkungen, machen die Medien daraus das übliche „US-Amerikaner sind dumm und wissen nicht mal wo Europa liegt“ Geschwafel daraus. Die lückenhafte Evolutionstheorie liefert keine belegbaren Antworten, sie beschreibt allenfalls und die sicher geglaubten Erkenntnisse wandeln sich ständig. Plötzlich gilt der Neandertaler nicht mehr als tumber Affenmensch, sondern soll genauso intelligent gewesen sein wie heutige Menschen und sogar Sprache benutzt haben. Und was kommt morgen?

Ähnlich wie gegen Neuzeitsekten wird gegen Kreationisten argumentiert. Fundamentale christliche Gemeinschaften, aber auch sogenannte „Gelehrte“ in der islamischen Welt, versuchen die Schöpfungsgeschichte mit wissenschaftlichen Fakten anzureichern und so ihren Glauben wieder attraktiv für die von zu viel westlicher Bildung beeinflussten Ungläubigen zu machen. Immerhin ist hier ein Anfang zu beobachten, dass aufklärerisches Gedankengut, wenn auch entfremdet, auch von den hartnäckigsten Fundamentalisten nicht mehr ignoriert werden kann. Statt sich über diese trotzkistische Infiltration zu freuen, werden diese Gruppierungen niedergemacht mit Argumenten, die man besser zur Selbstkritik nutzen sollte. Es heißt doch immer, die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind die Irrtümer von morgen …

Und sollten sich die Endzeitpropheten alter Schule nicht über die wissenschaftlichen „Erkenntnisse“ von Stephen Hawking freuen, statt einfach darauf zu bestehen, dass allein ihre Variante der Apokalypse einschließlich der Wiederkunft des jeweils favorisierten Messias die einzig richtige ist? Haben sich Wissenschaft und Glauben nicht längst wieder angenähert und keiner hat’s gemerkt? Für die breite Masse macht es keinen Unterschied, sie muss glauben, was ihr als Wahrheit vorgesetzt wird.

Die Aufklärung leitete auch nur vorübergehend einen Wechsel der Machtverhältnisse ein. Die dreistesten Lügen der Herrschenden wurden als bösartiger Aberglaube für das Volk enttarnt, führten zu Religionskriegen und dem Gemetzel der französischen Revolution. Die Republik der Grande Nation feiert sich mit ihrer blutigen Nationalhymne auch noch dafür, statt aus der Geschichte endlich wahrhaft humane Lehren, im Sinne von „dem Menschen dienlich“ zu ziehen. So wird sich alsbald die düstere Vision von Michel Houellebecq erfüllen und die Restauration des Irrationalen in Gestalt des Islams den Laizismus vollends beseitigen.

Wer die Macht des Glaubens unterschätzt, bewegt sich auf gefährlichem Terrain. Abendländische Werte lassen sich nicht politisch korrekt verteidigen. Wer von Aufklärung, Christentum und neuerdings auch heuchlerisch vom jahrhundertelang abgelehnten Judentum als Fundament der „Wertegemeinschaft“ spricht und als Allheilmittel ethnisch-religiöser Konflikte präferiert, dass auch der „Islam“ dem Bespiel der Kirchen folgen und sich entkernen lassen muss oder wird, übersieht bewusst oder unbewusst die Unvereinbarkeit dieser Ideologien. Das Märchen vom aufgeklärten Islam ließ sich nur kurze Zeit in den westlich ausgerichteten Diktaturen des Schah-Regimes im Iran, Ägypten, Afghanistan oder den islamischen Teilen des alten Jugoslawien erzählen. Was heute daraus geworden ist, kann man mittlerweile in 56 Staaten beobachten, in denen mehr oder weniger wieder die Scharia gilt.

Die westliche Welt braucht ein neues Glaubensbekenntnis, wenn sie denn überleben und ihre Kultur in die Postmoderne überführen will. 

Kann man da noch schnell was draus machen?

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, / und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, / empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, / gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, / hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, / aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; / von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. / Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, / Vergebung der Sünden, / Auferstehung der Toten / und das ewige Leben. / Amen.

Etwa so? Ich glaube an die runde Erde, Mindcontrol, Leihmutterschaft, Gentechnik, Chemtrails und The Walking Dead? Und wer sitzt eigentlich zur Linken Gottes, wenn Jesus ein Rechter ist?

Wir sind jetzt schon ziemlich im Eimer, so viel ist sicher …

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Wolfgang van de Rydt
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