“Cadutta sassi” – Der Vertrieb der Meinungsfreiheit

Nein, Nein, das will ich nicht. Ich will meine Meinung nicht sagen.

Zumal in postdemokratischen Zeiten das immer schwieriger und gefährlicher wird, zumal man nie sicher ist, welche Hundefänger, welche Häscher unterwegs sind und dich mangels vergleichender Studien mit einem Nazi verwechseln.medienzensur

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Also, diesen Lackaffen, die immer wissen, was andere tun sollten, aber nicht wissen, was sie selber tun; denen man zuruft MYOB, mit denen man klar & fertig ist – mit dem Meinungsaustausch.

“Der müde Leib findet ein Schlafkissen überall, doch wenn der Geist müde ist, wo soll er ruhen?”

Leonce & Lena, Georg Büchner

Hè, hè jeder kann mich eines Besseren belehren; mich vom Gegenteil überzeugen, mir seine Meinung erklären, solange er meine Meinungsfreiheit achtet.

Hört ihr das Niederprasseln der Steine? Wir leben in postdemokratischen Zeiten, wir sind einer Fassadendemokratie und die Fassade bröckelt machtig, es ist angezeigt, Schilder aufzustellen – “Cadutta sassi!”

Erst haben sie vor 23 Jahren das Asylrecht ausgehölt, um uns vor dem zu bewahren, was jetzt passiert; dann haben sie in den letzten Jahren suksessive den Schutz unserer Privatsphäre aufgegeben, um ein Mehr an Sicherheit und jetzt sind sie dabei, mit allem Nachdruck die Meinungsfreiheit in Schranken zu weisen, um unser aller Sicherheit und Frieden Willen.

Der Vertrieb der Meinungsfreiheit ist im höchsten Maße gestört. Wie heißt es noch bei Georg Büchner in “Lenz” -selber denken, selber Fragen stellen und selber Antworten suchen.

Das schrieb der gute Hesse zu einer Zeit, als “uns” der Klerus und die Obrigkeit vorschrieben, was wir zu denken und zu meinen hätten. Dieser junge Büchner, dieser Heißsporn starb an einer Blutvergiftung, weil er sich beim Sezieren in den Finger geschnitten hatte – Ach Mann, hättest du nicht aufpassen können, dies Europa wäre weiter, wenn du uns noch 2 Jahrzehnte länger, mit deinen blitzgescheiten Schriften erhalten geblieben wärest.

So müssen wir mit diesem unvollständigen Vermächtnis zurecht kommen, mit Dantons Tod, mit Woyzeck, mit Lenz und mit Leonce und Lena. Ich gebe zu, ich will diesen unnötigen Tod nicht akzeptieren! – “in den Finger geschnitten!” – (geht ab, mit Kopfschütteln).

“Ich sehe etwas, was du nichts siehst” und das ist nicht schön. Ich meine die Vertreibung der Meinungsfreiheit.

Quatsch, ruft die Journalistin Amelie Fried. Bei uns kann jeder sagen, was er will und es steht jedem frei ein Buch zu schreiben. Dass Händler Pirinccis Bücher aus dem Sortiment genommen haben, ist deren gutes Recht, das hat nichts mit Zensur zu tun, meint die ansonsten so engagierte Odenwaldschulabsolventin. Eine strukturelle Zensur gibt es nicht, oder doch? “Ein Alptraum – für dumm gehalten zu werden”, läßt Büchner Lenz sagen.

Wir leben doch seit 1948 in einer Demokratie, wir haben doch Grundrechte? Das ist doch nur böse Polemik, wer jetzt sagt, wir könnten unsere Meinung nicht frei äußern. Jedem steht es frei zu schreiben und zu sagen, was er denkt. Siehe diesen Blog, siehe Opposition24.

Ja gut, der Mensch von heute ist nicht mehr davor gefeit, durch das vereinigte Kollektiv der Pharisäer geächtet und sanktioniert zu werden. Das erleben zur Zeit Künstler und Autoren die mit mutmaßlichen Schmuddelkindern unterwegs waren, die nicht Neudeutsch sprechen; die mit Verbalinjurien aufgefallen sind, die dem Vergleich mit dem Altmeister und Worttitan Karl Kraus nicht stand halten; da werden Autoren, Journalisten und Künstler sanktioniert. Die Pharisäer und Moralapostel sind wachsam und der nächste Shitstorm kommt bestimmt und wird als Wucht erlebt, der mächtige Programmdirektoren im Zurückrudern testet. Entscheidungen sind eben reversible.

Was Beppe Grillo in Italien durch die Macht des Medienmoguls Berlusconi widerfuhr, droht heute erfolgreichen Krimiautoren, Sängern und Journalisten, die, weil sie eine eigene Meinung haben, in Ungnade gefallen sind und den “linken” Volkszorn auf sich ziehen oder ist es gar nicht das Volk, sondern sind es gut organisierte “linke” Aktivisten*innen, die sich jetzt nicht mehr auf die Bahngleise legen und den Weg nach Gorleben versperren, sondern, das Netz bewachen, wie die Dominikaner Savanarolas das liberale und freizügige Florenz?

Botticelli konnte dem Fegefeuer nur entgehen, weil er freimütig die unzüchtigen Bilder seines Schaffens unwiederbringlich dem Scheiterhaufen auf der Piazza della Signoria überließ. Savanarola dankte es ihm mit Wohlwollen und Gnade.

Staatliche Zensur findet heute nicht mehr statt, so wollten es die Väter und Mütter des Grundgesetzes.

Sie ahnten nicht, dass diese Aufgabe an private Organisationen delegiert werden kann. Da reicht ein Anruf, ein vermeintlich sich selbst entzündender “Shitstorm”, da folgen die Verlegerinnen dem Volkszorn und vertreiben die Bücher und Schriften des Geächteten nicht und die Politik sagt nix, denn das ist die Marktwirtschaft und es steht dem Autor doch frei, seine Bücher selbst zu vertreiben.

Heute sind die Zensoren die Verleger und die Partei-Obrigkeit kann sich auf ihre Atlanten verlassen, mit denen sie Abends üppig dinieren.

Die Macht liegt in den Händen des Vertriebs, in den zu bedienenden Vertriebskanälen, hier wird entschieden, was morgens, mittags und abends auf den Tisch kommt bzw. kommuniziert werden darf und was nicht. Die Vertreibung der Meinungsfreiheit erfolgt heute über den Vertrieb und nicht mehr über Zensoren in den Wachstuben der politischen Polizei.

Heute kommt kein Unternehmen mehr ohne eine schlagkräftige Vertriebsorgansiation aus. Solche Dienstleistung wird nicht ausgelagert. Hier lohnt sich die Festanstellung, denn hier geht es um Loyalität, hier wird festgebunden und mit guten Gehältern ausgefüttert, was gefüttert und gebunden sein will.

Sie geben den Ton an; sie haben heute die Macht und nicht der Verbraucher. Der frisst, was ihm vorgesetzt wird und wenn nicht, dann braucht es eine Schmutzkampagne, dann wird ihm der Appetitt auf anderes schon vergehen. 1960 stand auf keinem deutschen Frühstückstisch eine Packung Cornflakes, heute gehört es zum guten Ton eines jeden Buffets – es muss halt nur das vermeintlich Neue und Bessere positiv konnotiert sein und das Alte negativ besetzt werden.

Was ist das beste Marketing wert, wenn es an einem müden Vertrieb hängt?

Vertriebler sind Krieger und Jäger, sind Spinnfischer – häufig und gern gesehen, mit einer militärischen Grundausbildung. Sie sind keine Sozialromantiker, die in Nachtwachen mit Bettpfannen tanzen. Mir ist kein leitender Mann im Vertrieb, mit einem sozialwissenschaftlichen Background bekannt. Der Vertriebler, sei er Frau oder Mann, ist selten ein Feingeist, es reicht ihm, wenn er den Shellatlas als Zweitbuch neben “Mein Kampf” stehen hat.

Denn das Leben ist ein Kampf, das wussten Größen wie Charlie Chaplin. Dessen Filme kamen nicht unters Volk weil die Meinungsfreiheit es ihm garantierte, sondern weil ein schlagkräftiger Filmvertrieb seinen Erfolg steuerte.

Die Verleger, die Großhändler in den Verteilungszentren bestimmen, was der Kunde über den Ladentisch erwerben kann. Ausgefallenes muss grundsätzlich bestellt werden, “on demand” eben. Der Kunde hat eine vermeintliche Auswahl aus Vielerlei und die Auslagen quellen über, mit Titeln und Editionen; die Kioske sind randvoll und doch ist es eine vordergründige Vielfalt, denn hinter den bunten Hochglanz Magazinen stecken wenige, mächtige Verlagshäuser.

Heute spüren wir die Macht der Monopolisten, alles wird ihrem Diktum unterworfen, sie kommen als Standards daher und sind doch nichts anderes als die Vereinheitlichung von Form und Inhalt. Die Standardisierung ist eine Uniformierung in allen Lebensbereichen, damit auch noch das einmillionste Glas Marmelade, das einmillionste Huhn so schmeckt, wie das erste aus der Produktion und so was nennt sich dann Qualitätsmanagement.

Der Einheitskult kennt keine Grenzen und wer nicht mitmacht, der bleibt ausgeschlossen.

Marketing und Vertriebsstrukturen folgen Schablonen, die schon in den 1930er Jahren unter Beweis gestellt haben, wie tauglich sie sind, um die Massen zu steuern.

Napoleon und Bismarck brauchten keine Bücher zu schreiben, um an die Macht zu kommen; der Große Diktator machte es allen als erster vor, wie man sich ins richtige Licht stellt und sich den Massen stimmwirksam selbst verkündet.

Heute gibt es keinen Politiker mit Rang und Namen, der nicht sein politisches Heilsversprechen in den Ring wirft, bevor er überhaupt irgend eine Leistung erbracht hat – “Mein Kampf” in allen Variationen – von den Propagandisten aus den 1930 Jahren lernen, heißt Siegen lernen.

Solche Verkündigungen sind keine Chroniken erfüllter Lebensleistungen, sie sind Verkaufsbroschüren und sie drücken alle sinngemäß das Eine aus “fürchte dich nicht, denn ich werde dein Retter sein”.

Das Individuum zählt dann, wenn es darum geht, es administrativ und kriminalistisch zu erfassen, mit seinen biometrischen, unverwechselbaren Merkmalen.

Sein einzigartiges Talent aber wird der Produktivität unterstellt.

Das Produkt seiner Leistung soll nicht seine Handschrift tragen. Das Ziel ist das standardisierte Ergebnis, mess- und bewertbar zu jeder Tageszeit. Was aber den Menschen unverwechselbar macht, weil jeder seine persönliche Handschrift hat, ob er nun tanzt, singt, schreibt oder zeichnet, erfindet oder sich anderweitig zum Ausdruck bringt, als Architekt oder Artist, wird immer exklusiver – das Talent, nur noch ein Privileg Weniger, aber nicht eines der Masse.

Da sind die Soldaten und dort die Offiziere, hier der Koch und dort der Kellner oder wie in dem Film Il buono, il brutto, il cattivo von Sergio Leone. “Weisst du, auf dieser Welt gibt es zwei Sorten Menschen, mein Freund: Solche mit geladenen Waffen und solche, die graben”. Niemand will der sein, der gräbt.

Seit den 1980er Jahren wird mit Verve die Monopolisierung des Wirtschaftslebens betrieben und ihre Blüte erleben dieses Monopolisten aus Handel, Industrie und Dienstleistung im neuen Jahrtausend.

So wird das Verlagswesen im Mutterland des Buchdrucks von zwei Frauen dominiert, Friede Springer und Liz Mohn – Sie stehen heute unangefochten an der Spitze der Meinungsbildner. Sie entscheiden ob einer z.B. über seine Verbalinjurien stolpert oder nicht.

Den Brockhaus gibt es nur noch antiquarisch, eine Neuauflage nicht in Sicht. Die Verleger haben es aufgegeben, Wikipedia und Google Paroli zu bieten. Obwohl ihr Wissen ein Alleinstellungsmerkmal war, haben sie keine Allianzen gebildet, haben sie keine europäische Antwort auf die Monopolisten aus Übersee gefunden, weil sie es sich nicht wert waren und weil es sich nicht rechnete – als ob Wikipedia sich rechnet!

Dabei kommt das Online Nachschlagewerk nicht in Qualität und Zuverlässigkeit heran an Larousse, Brockhaus und die Britannica.

Zurück zur vertriebenen Meinungsfreiheit: Können wir wirklich alles sagen? Ja, wir können, aber wir können es nicht jedem zeigen. Die Frage ist nicht mehr, ob wir alles sagen können, sondern ob wir das, was wir sagen, allen mitteilen können und insofern findet die Zensur strukturell über die Verteilung, den Vertrieb der Informationen statt.

Wir müssten dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit ein Grundrecht auf Verteilungsfreiheit hinzufügen.

Händler dürften ihre Marktmacht nicht dafür benutzen einzelne Titel zu suspendieren, weil ihnen der Inhalt nicht gefällt. Heute treten sie wie Vorkoster auf, nur dass sie für uns entscheiden, was uns munden soll, was wir kaufen sollen.

Klar, wir dürfen widersprechen, aber der Widerspruch kann einem teuer zu stehen kommen, weil nichtstaatliche Moralapostel, Pharisäer die Meinung, mit den niedersten Instinkten der Propaganda sozial ächten, diffamieren und sanktionieren.

Da werden die Abweichler vom guten Ton kurzerhand zu Schmuddelkindern erklärt. Da wird Meinung zu Hetze und Hetze, so heißt es dann, das sei keine Meinung: so einfach kann man es sich machen. Gerichtsfest sind solche Brandmarkungen nicht, aber die Polemik trifft und die Polemiker hoffen auf die Hasenherzigkeit der Zeitgenossen, die dann das Maul halten.

Die Verhaltenspsychologen haben die Polemiker gut beraten.

Eigentlich deckt das Grundrecht der Meinungsfreiheit auch Verbalinjurien, wie z.B. “Soldaten sind Mörder”.

Franz-Josef Strauß hätte es gerne anders gesehen, aber das BVG hat es 1995 unmissverständlich klar gestellt, diese Aussage ist mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit konkludent. Auch Beschimpfungen fallen unter dieses Recht.

Es wird nur eingeschränkt, wenn es persönlich wird, wenn der Einzelne beleidigt wird, dann kann der Betroffene klagen und die Meinungäußerung gerichtlich angeordnet limitieren. Aber heute klagt der Volkszorn ohne Verfahren und die Verurteilung erfolgt just in time, ohne jegliches Recht auf Verteidigung des Beschuldigten.

Zehn Monate sind vergangen seit den Anschlägen auf die Redaktion des Satirezeitschrift Charlie Hebdo, alle Welt hat die Fahne der Meinungsfreiheit hoch gehalten und sich mit der linken Redaktion solidarisiert. Deshalb wird die Zeitung heute auch an deutschen Kiosken verkauft, weil die Großhändler sie ins Sortiment aufgenommen haben, als ein Akt der Solidarität.

Dieser Akt der Solidarität endete, aber eine Schwangerschaft später, bei dem Autor Akif Pirincci, dessen Bücher wurden aus dem Sortiment der Großhändler eliminiert, weil er bei den Pharisäern, wie Amelie Fried eine ist, in Ungnade gefallen ist.

Das Empörungsmanagement dieser Aktivistinnen ist erfolgreich. Indignez -vous! Wegen seiner regierungskritischen Meinungsäußerung verliert ein Journalist seinen Job und ein Künstler die Nominierung für einen internationalen Gesangs-Wettbewerb.

Es wird nicht dem Kunden überlassen, am Ladentisch seine Sympathie oder Antipathie zu bekunden; es sind Gremien, die in Guerilla Manier, hinter verschlossenen Türen sanktionieren.

Der Vertreibung der Meinungsfreiheit ist in vollem Gange: dem “Neuen Deutschland”, mit seinen eifernden Moralaposteln ist die freie Meinungsäußerung in Schrift und Sprache so egal, wie dem Handkäse die Greensoße.

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