Börsenzeitung meint „Avanti dilettanti“ zur Querfrontregierung in Italien

Sensation: Italien bekommt eine Querfrontregierung gegen den Euro

Börsenzeitung: Gerhard Bläske zur Lage in Italien und Marktreaktionen

In Italien regiert das Chaos. Dass Koalitionsverhandlungen sich hinziehen können, das wissen wir aus Deutschland. Aber was im Belpaese passiert, das spottet jeder Beschreibung. Und zwar nicht deshalb, weil es so lange dauert. Nein, weil die Inhalte der Gespräche immer absurder werden.

Denn selbst wenn es sich nur um den Entwurf des Regierungsprogramms gehandelt hat, der längst überholt ist, wie die potenziellen Koalitionspartner sagen: Allein, dass über einen gigantischen Schuldenerlass die Möglichkeit eines Euro-Austritts und die Neuverhandlung des Stabilitätspakts überhaupt diskutiert wurde, ist Anlass zu höchster Besorgnis. Da verblassen kaum weniger absurde Pläne wie eine Flat Tax, die Einführung eines Grundeinkommens, die teilweise Rückgängigmachung der Rentenreform sowie der Verzicht auf eine Mehrwertsteuer, über die die potenziellen Koalitionspartner weitgehend Einigkeit erzielt haben sollen, schon fast. Dabei kosten allein diese Projekte nach Angaben eines unabhängigen britischen Instituts mehr als 100 Mrd. Euro und würden den Haushaltsfehlbetrag auf 5,5% der Wirtschaftsleistung hochtreiben.

Avanti dilettanti, möchte man den Chefs der beiden Parteien gern zurufen. Doch diejenigen, die da verhandeln und fordern, sind immerhin von der Mehrheit der Italiener gewählt worden, also demokratisch legitimiert. Das muss man natürlich berücksichtigen. Aber dass die wenigen Damen und vielen Herren, die da miteinander sprechen, sogar noch stolz darauf sind, dass die Finanzmärkte allmählich nervös werden und der Spread zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen steigt, ist unverantwortlich. Die Reaktionen der Märkte zeigten, dass man auf dem richtigen Weg sei, findet Lega-Chef Matteo Salvini. Das ist erschreckend. Denn das Land ist hoch verschuldet und ist Verpflichtungen gegenüber der EU, von der Italien in hohem Maß profitiert, eingegangen. Die Hoffnungen, die beiden Parteien würden angesichts dessen schon vernünftig werden, haben sich bisher leider nicht erfüllt.

Man möchte sich kopfschüttelnd abwenden. Doch Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Anders als Griechenland, das der EU schon genug Probleme bereitet hatte, hat das Land gewaltige Sprengkraft. Die EU muss nun fest bleiben und deutlich machen, welche Konsequenzen die Umsetzung all dieser Maßnahmen hätte. Im eigenen Interesse. Denn nicht nur Italien selbst würde dann in den Orkus gerissen werden, sondern die ganze EU und die Eurozone. Und das in Zeiten von Handelskriegen, in denen Brüssel mit einer Stimme sprechen müsste.

5 Kommentare

  1. Na uns wenn die EU in den Abgrund gerissen würde, was wäre denn daran so schlimm. Die Völker Europas haben dieses Monster auch nie demokratisch legitimiert. Die haben sich ihrePrivilegien einfach genommen und die Menschen die das alles bezahlen müssen, versklavt.
    Aus diesem Grund hoffe ich, daß die Italiener stark bleiben und dieses Bürokratiemonster zu Fall bringen.

  2. Ein weiterer Sargnagel für die parasitären EU-Bonzen in Brüssel. Lieber ein schreckliches Ende, als ein Schrecken ohne Ende LOL

  3. Der Autor unterschlägt auf unintelligente Art und Weise, dass NICHT die künftigen Koalitionspartner den Laden an die Wand gefahren, sondern jenen nur geerbt haben. Ein weiter so wäre das Fatalste was den Italienern (und uns) passieren könnte. Der Umbau Europas zum EU-shithole ist weit voran geschritten. Auch das scheint dem Autor zufällig entfallen zu sein. Schuld haben wahrscheinlich nur die, die die großartige Idee vom international-sozialistischen Großreich EU nicht verstanden haben.

  4. Herrlich, kann ich dazu nur sagen! Soll doch der ganze EURO-Laden zusammenbrechen und die EU gleich mit dazu. Irgendwann zahlen wir, die deutschen Sparer, sowieso die Zeche, die ungeahnte Ausmaße annehmen muss. Das wird richtig weh tun, aber der Schmerz muss sein, anders werden die Deutschen keine Lehren aus dem EURO-Rettungs-Desaster ziehen. Schaut Euch die Wahlergebnisse der letzten BT-Wahl an, dumm geboren, dumm gehalten und in den Jahren seit 2002 nichts dazu gelernt. Alle die vor dem EURO-Wahnsinn gewarnt haben (Prof. Hankel u. a.), wurden belächelt, beschimpft und scheiterten vor dem höchsten deutschen Gericht. Vielleicht ist der „Italexit“ noch eine gangbare Lösung, aber billig wird der für uns Deutsche auch nicht. Wir stecken bis über die Ohren in diesem Schuldensumpf von Brüssels Gnaden. Ach, was ich noch sagen wollte: Einen schönen Gruß an EZB-Draghi!!!

  5. Die EU-Kommission wird sich bald mit dem Verbot der Rückgabe von Fondsanteilen befassen. Grund sind Empfehlungen des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken. So soll verhindert werden, dass bei einer Finanzkrise massenhafte Anteilsrückgaben den Crash verstärken.

Kommentar verfassen