Blutiger Sonntag in Katalonien zu erwarten

Katalonien: Die Konfrontation scheint unvermeidbar. Schwerbewaffnete Polizeieinheiten sollen am Sonntag alle 6300 Wahllokale schließen und Wahlurnen beschlagnahmen. Es ist kaum vorstellbar, dass die Befürworter des Referendums einfach so klein beigeben. Da sich die Operation nicht wie beim G20 Gipfel auf eine überschaubare Lokalität erstreckt, müssen die Einheiten schon sehr sorgfältig planen, damit Proteste so eingedämmt werden, dass möglichst wenig Gewalt eingesetzt werden muss. Jede Eskalation wird Spaniens Regierung nicht gut dastehen lassen, doch es kommt letzten Endes darauf an, was die Presse daraus macht.

Guardia Civil beim Einsatz gegen streikende Bergarbeiter – Foto: matthi / 123RF Lizenzfreie Bilder

In deutschsprachigen Medien klingt manchmal verhalten so etwas wie Sympathie für die Katalanen durch, doch nur um anschließend kräftig auszuteilen. Hier ein Beispiel aus der Provinz:

„Ein einseitiges regionales Referendum, das gegen ein Verbot des spanischen Verfassungsgerichts durchgepeitscht wird, kann man nicht demokratisch nennen. Obgleich die katalanische Sezessionsregierung so tut, als ob in Spanien immer noch eine Diktatur herrsche, Katalonien unter einer spanischen Besatzungsmacht leide und die Katalanen deswegen das Recht zum Ungehorsam haben. Dies ist Propaganda.“  Neue Westfälische

Wenn es am Sonntag hart zur Sache geht und Spanien am Rand eines Bürgerkriegs steht, wird man in keinem EU-Land ein Benefizkonzert für die Opfer organisieren auf dem Gutmensch Bono von U2 „Sunday, bloody Sunday“ singt. Kritische Berichterstattung über angebliche Polizeigewalt erscheint nur dann in den Gazetten, wenn rotlackierte Gewalttäter ihre kriminelle Energie als Ideologie tarnen. Aus Terroristen werden im Spiegel „Rote Flora Aktivisten“ und kriminelle bewaffnete Drogendealer in den USA zu Opfern von Rassismus gelabelt so sie denn schwarz sind und im Land der lockeren Colts erschossen werden wie jeder andere auch, der den meist schlecht ausgebildeten Polizisten über den Weg läuft und dabei eine falsche Bewegung macht. Weiße, Chinesen oder Latinos kommen in der weltweiten „antirassistischen Presse“ nicht vor. Die Sympathie gilt meist den Zerstörern – Gruppierungen, die ihren Besitzstand wahren und Souveränität anstreben, finden nur Unterstützung, wenn es in die Agenda passt. So wurden aus „nationalistischen“ Schotten nach dem Brexit plötzlich „wahre Europäer“ und die Schlächter der Rohingya zu armen verfolgten Muslimen. Die von ihnen hinterlassenen Massengräber spielen keine Rolle – oder handelte es sich dabei um einen aus dem „Recht zum Ungehorsam“ abgeleiteten Akt der Notwehr?

Im Netz sind neben Sympathisanten der Katalanen auch zahlreiche Gegner – und nicht nur menschliche – unterwegs. Nach jedem Katalonien-Artikel wurde unsere Seite von Bot-Kommentaren geflutet, die dank funktionierender Firewall sogleich abgewehrt wurden. Putin steckt sicher nicht dahinter, eher die spanischen Behörden. Das aber kann gar nicht sein, denn angeblich ist der Faschismus dort ja längst überwunden.

Damit trotz aller Verbote abgestimmt werden kann, hat sich Wikileaks auf die Seite der Katalanen geschlagen und hilft mit Spiegelservern aus.

Wie aber ein repräsentatives Ergebnis zustande kommen soll, wenn nicht sichergestellt ist, dass alle Bürger abstimmen können, ist fraglich. Das wissen die katalanischen Befürworter der Unabhängigkeit und auch sie werden daher auf die Macht der Bilder und Schlagzeilen setzen. Damit ließe sich die spanische Regierung eventuell dann doch noch zum Einlenken bewegen, so vielleicht die Hoffnung. Was die deutschsprachige Presse anbelangt, haben die Katalanen diese Schlacht bereits verloren.

 

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4 Kommentare

  1. Dass die EU-hörigen Schmieranten, früher Journaille genannt, hier den Willi machen ist doch klar.
    Es wird ihnen nichts nützen. Es wurde noch nie eine freiheitliche Bewegung die von einem ganzen Volk ausging mit Gewehren und Bütteln niedergeknüppelt.
    Nichtmal in der DDR.
    Wir werden die Findigkeit der Katalanen noch bewundern können.

  2. Tolle politische Leistung Madrids, die Sache dermaßen hochkochen zu lassen! Aber so ist das wenn unfähige Zionistenknechte Politik machen sollen. Die gleiche Unfähigkeit läßt sich tagtäglich in Berlin, Paris und London begutachten.

  3. Prinzipiell teile ich die Meinung, dass jeder entscheiden sollte, ob er ein Staat sein will. Aber im Fall Katalonien ist es eben nicht ein ganzes Volk, das hier gegen Spanien antritt. Es gibt es nach meiner Einschätzung – ich habe ca. 5 Jahre in Barcelona gewohnt – eine sehr grosse und vernünftige schweigende Mehrheit, die an der bestehenden Situation nichts ändern will. Das wissen freilich die wenigsten, weil die Separatisten sehr viel mehr Lärm machen.

    Es ist ja auch nicht so, dass Katalonien irgendwie unterdrückt wird. Im Gegenteil, Madrid hat sogar den grossen Fehler gemacht, Katalonien die Erziehungspolitik zu überlassen. Seitdem züchten sich die Katalanisten seit Jahren junge Sympathisanten heran, weil die Kinder vom Kindergarten an einer pro-katalanischen Gehirnwäsche unterzogen werden. Auch was die eigener Geschichte betrifft, nimmt es Katalonien an den Schulen nicht so genau. Lehrer und Professoren mit einer etwas sachlicheren Einstellung haben an Schulen und Unis nicht wirklich eine Chance.

    Im Gegensatz zu Spanien kennt Katalonien sowas wie Toleranz nicht. Hier wird jeder Andersdenkende ausgegrenzt und niedergemacht. Ist es ein Zeichen für ein freies Land, dass Läden und Restaurants Strafen zahlen müssen, wenn sie Ihr Geschäft nicht in katalanischer Sprache beschildern? Oder dass das Recht eines Schülers, als Unterrichtssprache Spanisch zu wählen, nur auf dem Papier besteht und Eltern, die das fordern, gemobbt und ihre Kinder niedergemacht werden?

    Ist es in Ordnung, dass im Kampf ums Referendum sechsjährige Kinder zum demonstrieren geschickt werden?

    Natürlich liegt es nahe, im Fall Spanien an Franco zu erinnern und von Faschismus zu reden. Aber das kann nur sagen, wer keine Ahnung hat, wie es dort zugeht. Spanien ist heute eins der liberalsten Länder in der EU. Die Faschisten, die keine Meinung ausser ihrer eigenen dulden, sind in diesem Fall die Separatisten in Katalonien.

    Stellen Sie sich mal vor, wie das in Deutschland wäre: Bayern will die Unabhängigkeit … das höchste Gericht erklärt das für verfassungswidrig und illegal … aber Seehofer macht einfach weiter, unter Missachtung eines Gerichtsurteils (was vermutlich völlig undenkbar wäre) … und Merkel verhindert eine Abstimmung mit Polizeigewalt … würden Sie dann die gute Frau Merkel eine Faschistin nennen, oder würden die Menschen eher über Seehofer den Kopf schütteln?

  4. Irgendwie bin ich hier gespalten, denn die Katalanen haben natürlich ein Recht auf Souveränität so das Volk diese wünscht. Auf der anderen Seite spielt die Zersplitterung der Nationalstaaten – angefangen mit Jugoslawien, natürlich den Globaleliten in die Hände, da sich kleine und relativ schwache Staaten wesentlich besser manipulieren, erpressen und ausbeuten lassen als große Nationen wie GB, SP, D oder F. Diese Separationsbewegungen sehe ich daher politisch für nicht unbedingt zielführend. In der Einigkeit liegt die Kraft der Menschen.

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