#Bitcoin: Vom Hartzer zum Kryptomillionär?

Die Kryptowelle rollt. Das Ende ist zwar vorbestimmt, der Scheitelpunkt aber noch lange nicht erreicht. Manche sehen den Bitcoin bei 40 – 50.000 US-Dollar, andere Experten noch höher. Täglich bekomme ich mindestens eine dieser Emails dubioser Anbieter, die mir satte Gewinne versprechen, wenn ich jetzt endlich auf den Zug aufspringe. Natürlich befindet sich darunter auch der ein oder andere seriöse Laden, schließlich sind Geschäfte grundsätzlich nichts ruchbares, aber keiner von ihnen warnt vor den möglichen Folgen. Wenn die Blase platzt und man nicht früh genug aussteigt, ist alles weg.

Doch kann man mit ein paar beherzigten Tipps selbst als Hartzer zum Kryptomillionär aufsteigen, wie die Anbieter versprechen?

Theoretisch ja: Am einfachsten ist das meiner Meinung nach mit der App von coinbase. Ich mache keine Werbung dafür, verlinke aber auch bewusst nicht darauf. Die App gibt es in den Handystores, man kann aber auch über den Browser seinen Account nutzen. Der Zugang ist schnell eingerichtet, wie bei Paypal muss man durch eine geringe Überweisung sein Konto verifizieren und dann kann es schon losgehen. Im Smartphone hat man nun die Preise für Bitcoin, Litecoin und Ethereum in Euro im Blick, kann einen Kauf- und Verkaufalarm setzen und zocken bis die Schwarte kracht.

Welches Budget setzt man als Geringverdiener dafür ein?

Das ist der Knackpunkt. Wie wäre es mit Rauchen aufhören? Das Geld wird sinnlos verblasen, auch für Computer und Handygames, zu teure Mobilfunkverträge und die Mikrochance auf einen Sechser im Lotto haben viele noch viel zu viele Euros im Monat übrig. Dieses Budget lässt sich streichen und mit höheren Gewinnchancen einsetzen.

Und dazu kommt: Klein Vieh macht auch Mist und jeder mit einem noch so mickrigen Budget ausgestattete Neuzugang auf den Kryptomarkt lässt die Kurse weiter hochhalten. Wer sich beherrschen kann und sein Suchtbudget freigesetzt hat, darf sich auf ein spannendes Spekulantenabenteuer freuen, das vielleicht so schnell vorbei ist, wie einer dieser aktuellen Gametitel durchgespielt wird, die dieses Jahr unter dem Weihnachtsbaum landen oder eine Stange Billigzigaretten verqualmt ist.

Man muss allerdings kein Prophet sein, dass das mit Rauchen aufhören bei den meisten nicht klappen wird, auch wenn Suchtverlagerung nicht unbedingt die schlechteste Methode der Entwöhnung ist, zumindest vorübergehend. Spätestens vom ersten Kursgewinn kann man sich edelste Havanna-Zigarren oder endlich den lang ersehnten Gamer-PC, Ultra-HD-Flat-TV oder was auch immer leisten. Dann aber ist das Kryptobudget wieder besetzt und mit dem Aufstieg zum Kryptomillionär, den die Massenmailversender versprochen haben, war es wieder einmal nichts.

Wer monatlich überhaupt kein Budget ausmachen kann, das er irgendwie sinnlos verbraucht, weil er eben nicht raucht oder exzessives Homeshopping betreibt, wird sich nicht auf den Kryptopfad  begeben können. Kein sauer verdientes Geld und erst recht nicht mit Freude erarbeitetes Vermögen wird ein kluger und beherrschter Investor in Kryptowährungen anlegen. Hier und da ein hübsches Sümmchen mal eben verdoppeln, das muss man sich leisten können. Die allerersten Bitcoins, aber wer hat diese noch, wurden inzwischen verzehntausendfacht. Hätte man doch damals nur 1000 Euro investiert, wie viel Millionen wären das? Im Kopf kann das so mancher nicht mehr ausrechnen, weil er sich im Alltag nur im Zahlenbereich bis maximal 100 bewegt – einmal im Jahr bis 2000 – wenn Urlaub oder ein paar Weihnachtsgeschenke dran sind und alle paar Jahre noch mal etwas höher – wenn ein neues Auto fällig ist. Mit solchen phänomenalen Fähigkeiten ausgestattet wird bei den explodierenden Mietpreisen und weiterem Arbeitsplatzabbau noch so mancher bis jetzt noch Gutverdienende bald nach Hartz4 absteigen, weil er es nicht schafft, den Haushalt rechtzeitig zusammen zu streichen.

Ein Bekannter löste die Frage nach wie viel Millionen sind das Zehntausendfache von Zehntausend Euro so:

Er erinnerte sich an die Berufsschule, da schrieb man die Aufgabe für Rechenschwache auf einen Zettel: Also 1000 x 10000 = ? Dann addierte man die Nullen oder zählte sie mit dem Finger ab. Das ergibt 7 Nullen. Bei einer Million spricht man von sechsststelligen Beträgen, das fiel ihm dann ein. Dann ist also eine 1 mit 7 Nullen zwei Millionen. Nein, die Pointe stammt nicht aus einem Blondinenwitz und das war schon immer so, ich schwöre:

Als ich noch in der Pflege tätig war – damals waren elektronische Blutdruckmessgeräte wegen der „Ungenauigkeit“ verpönt – wurde noch von Hand gemessen. Um die Pulsschläge pro Minute in kürzerer Zeit zu erfassen, packte man also 15 Sekunden den Patienten am Handgelenk und schaute dabei auf die Armbanduhr. Dann multiplizierte man das Ergebnis mit vier. Nach einer Weile wusste man dann, dass 22 Schläge 88 pro Minute sind, aber der Weg dahin war schwer. Nicht wenige schrieben sich das Ergebnis verstohlen mit dem Kugelschreiber auf einen Streifen Einmalpflaster viermal untereinander und addierten dann schriftlich 22 + 22 + 22 + 22 oder was auch immer. Und das jeden Tag.

Letzte Frage: Warum können Abzocker aus fast jeder Scheiße Geld machen? Nein, das können sie gar nicht. Sie fischen nur das Geld ab, das andere in Scheiße investieren. Gerade steht der Bitcoin bei 8711.22 €. Der Angriff der Klo(n)anleger läuft und läuft und läuft …

 

 

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Wolfgang van de Rydt
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Freier Journalist – Autor – Musiker

2 Kommentare

  1. Die Gewinner der Cryptowährungen sind immer die Besitzer der Börsen, die genug von den ersten Coins gekauft bzw geschürft haben, um mit jedem der später einsteigt, sich dumm und dämlich zu verdienen…

    Am Anfang hat der Bitcoin-Gründer großzügig seine Coins an viele Journalisten verschenkt, damit die ein fortwährendes Eigeninteresse an den Berichten über die Bitcoins haben und so das Ganze kostenlos über viele Jahre promoten.

    Wer Nullen und Einsen auf seinem Computer haben möchte (und nichts anderes sind Bitcoin), dem kann ich gerne welche erzeugen. Martin Coins könntet Ihr die dann nennen.

    Allerdings sind die Scheine der EZB bis auf den Wert des Papiers auch nicht werthaltiger als irgendeine andere Voodoo Währung.

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