Damals Revolte – heute Bürgerkriegsgefahr: Als die Erdogangster noch Jubelperser waren

Beim Schahbesuch 1967 waren es nur 150 iranische Geheimdienstler, die das Regentenpaar in Berlin begleiteten und die protestierenden Studenten unter der Duldung der Polizei niederknüppelten.

Am 2. Juni gipelte die Eskalation in der Erschießung von Benno Ohnesorg durch den Polizisten Karl-Heinz Kurras. Bei der Obduktion des Leichnams war der junge Horst Mahler als Rechtsanwalt anwesend, der später die RAF mitbegründete. Der Tag gilt als Schlüsseldatum für die “legendäre” 68er Bewegung. Der lange Marsch durch die Institutionen beförderte große Teile des damals sich findenden Führungspersonals in das heutige politische Establishment. Gerhard Schröder wurde Bundeskanzler, Horst Mahler landete im Gefängnis und später bei der NPD.

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Bundesarchiv, B 145 Bild-F024827-0005 / Unknown / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Heute haben wir nun wieder eine Bundesregierung, die viel mehr als damals mit dem Schahregime, einen unwürdigen Schulterschluss mit einem Despoten sucht und gestern gar den Kniefall vor ihm vollzog.

Erdogan muss keine 150 Jubelperser einfliegen lassen, sondern er hat ein ganzes Herr teils aggressiver und gewaltbereiter Erdogangster in Deutschland auf seiner Seite, denen Teile der deutschen Linken und die Kurden gegenüberstehen. Im Deutschland der Sechziger beschränkten sich die Fans des Schahs von Persien auf die Leser der Klatschpresse, die sich weniger für Politik als für seine glamouröse Gattin Farah Diba interessierten. Unter den iranischen Studenten in Europa bildeten die Linken und die Islamisten noch einen gemeinsamen, sozialistisch maskierten Block. Echte iranische Schah-Befürworter gab es dagegen kaum.

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Die Mehrheitsverhältnisse zwischen Erdogan Anhängern und Gegnern im Deutschland der Gegenwart sind noch um einiges brisanter, als zur Zeit der Flucht von PKK Chef Öcalan und den vielen Terroranschlägen der Kurden, u.a. die Erstürmung des griechischen Konsulats in Frankfurt am Main und die vielen Autobahnblockaden.

Am vergangenen Sonntag schützte die Polizei in vielen Großstädten die Erdogan Anhänger bei ihren nationalistischen Demonstrationen, der Kniefall der Kanzlerin vor ihrem Präsidenten muss wie ein Sieg für sie gewirkt haben.

Was spielt sich ab, wenn Erdogan zum nächsten Staatsbesuch nach Deutschland kommt? Bisher protestierten zu diesem Anlass stets nur türkische und kurdische Oppositionelle, unterstützt von wenigen Linken. Das könnte sich ändern, je nachdem wie das Verfahren gegen den “Satiriker” Böhmermann ausfällt und welche Zugeständnisse das Merkel-Regime gegenüber Erdogan noch macht im weiteren Verlauf der “Flüchtlingskrise.”

Der politische Nährboden von damals brachte eine breite Bewegung gegen das Establishment, gegen das Spießbürgertum und überholte Moralvorstellungen hervor. Heute stehen sich dagegen mehrere Gruppen gegenüber.

Damals begann eine Revolte, heutzutage kann daraus ein Bürgerkrieg entstehen. Die Gefahr dafür wird wahrscheinlicher je mehr der politische Rückhalt für Merkel schwindet. Selten wird eine Regierung direkt durch Massenproteste gestürzt, meist entlädt sich die Gewalt im Vakuum der Macht.

Wie sehr Merkel schwächelt, das hat ihr Kniefall gezeigt.

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Wolfgang van de Rydt
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