Es war eine nach allen Corona-Regeln der Kunst inszenierte Propagandaaufführung. Ein Gottesdienst mit Sonntagsreden, wie man sie nur von der Berufspolitik mit ihren geschulten Worthülsenschwingern zu hören bekommt. Fünf Angehörige von Verstorbenen waren eingeladen, symbolisch für die Familien der „Corona-Toten“. Alles war darauf ausgerichtet, die seit mehr als einem Jahr durch das politische Herumdilettieren immer weiter verschärfte Krise in den Rang einer Kriegskatastrophe zu erheben.

So scharf blies Angela Merkel der Wind selten ins Gesicht. Selbst in der eigenen Koalition wächst das Unbehagen angesichts des Infektionsschutzgesetzes. Nur die Grünen stehen weiterhin in Treue fest zur Kanzlerin. Am Freitag beriet der Bundestag in erster Lesung über die geplanten Verschärfungen. Gekommen waren nicht nur Abgeordnete.