Wut am Dienstag: Der Tag, an dem Deutschland still steht!

Sechs Tage zur Besinnung

Weselsky auf Walesas Pfaden?

Solidarnosc kann man auch ohne polnische Sprachkenntnisse mit Solidarität übersetzen. Über die polnische Streikbewegung hat man seinerzeit im Westen nur in den höchsten Tönen lobend berichtet. Fast schon neidisch ehrfürchtig nahm man zur Kenntnis, dass eine entschlossene Bewegung ein ganzes Land lahmlegen und am Ende sogar die politische Wende einleiten konnte.

Oberlokführer Weselsky genießt jedoch nicht die große Volkssolidarität eines Lech Walesas –  die Presse lässt kein gutes Haar an ihm.

Es scheint, als wollten alle, dass es immer nur so weiter geht, auch wenn es sonst immer heisst, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. 

Jetzt stehen die Züge still, ganze sechs Tage und Deutschland läuft Amok.


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Geiselhaft – Geiselnahme – so lauten die Kampfbegriffe der Medienkampagne, die dem Streik jede Möglichkeit des politischen Bedeutungszuwachses von vornherein nehmen will.

Es geht nicht nur um das Streikrecht – sondern auch um die Sprengkraft, die der Stillstand entwickeln kann. Darum werden Neid und Hass geschürt, der Fokus auf den Besitzstand gerichtet, den die Lokführer drohen zu verlieren. Leiharbeiter, Friseure oder gar Arbeitslose haben diesen längst verloren.

Solidarität aus diesen Kreisen muss in jedem Fall unterbunden werden. Knapp drei Millionen Menschen sind offiziell arbeitslos – eine beängstigende Zahl.

Doch dieses wehrlose Heer ist gegenüber den noch in Lohn und Brot stehenden Bürgern immer noch in der Minderheit. Wer noch was zu verlieren, aber keine Trümpfe in der Hand hat, dessen Neid muss verstärkt werden auf die, die etwas mehr davon haben.

Nur nicht weiter nach oben schauen – auf die Deutsche Bahn AG, die in Stuttgart statt des Bahnhofs bisher nur Milliarden unter die Erde gebracht hat. Dass diese Steuergelder in dunkle mafiöse Kanäle fließen und die Demonstranten gegen Stuttgart 21 so gut wie gar nichts mit den Bauverzögerungen zu tun haben, darf nicht ins Bewusstsein dringen.

Nein, die Furcht vor Fahrpreiserhöhungen durch unverschämte Lohnforderungen muss präsent bleiben. Deutschland darf nicht still stehen – Deutschland darf nicht in sich gehen – darf sich nicht sammeln und darüber nachdenken was falsch läuft in diesem Land, in dieser Gesellschaft.

Der Lokführerstreik muss auf der Profilneurose eines einzelnen, uneinsichtigen Gewerkschaftsführers gründen – eines Besessenen, der ganz Deutschland in Geiselhaft nimmt.

Ausgenommen von dieser Geiselhaft sind die schon erwähnten knapp 3 Millionen Arbeitslosen, sie befinden sich statt dessen im Dämmerzustand, dem Vorhof zur Hölle in einer ganz und gar entsolidarisierten Gesellschaft, sie geht dieser Streik nichts an.

Zum Jobcenter fährt man gewöhnlich nicht mit dem Zug. Dort ist man auch nicht traurig, wenn die Kundschaft fortbleibt.

Pausenlos geistern Zahlen durch die Kanäle, was der Streik kostet, wann endlich Schluss ist und um wie viel Euro pro Kopf jeder Betroffene geschädigt wird.

„Wehe dem, der pendeln muss…“ so beginnt ein ZDF Bericht zum Streik. Tendenziös, skandalös und natürlich auf Gebührenzahlerkosten werden genervte Lemminge interviewt.

Weselsky bleibt standhaft, als er in der Sendung WISO vorgeführt werden soll. Es geht um Grundrechte! Die Redaktion sollte sich was schämen – das ist kein kritischer Journalismus, sondern übelste Hetze.

Es geht um Grundrechte, um weitere Grundrechte, die Stück für Stück abgebaut werden. Es darf nicht sein, dass Arbeitnehmer eine Lobby haben, und selbst ihre Forderungen durchsetzen können.

Über so unsinnige Gesetze, wie zum Mindestlohn soll lieber der Bundestag abstimmen. 8,50 Euro ist genug. Wo kommen wir nur hin, wenn gesellschaftlich relevante Gruppen selbst ihr Potential erkennen und nutzen? Charakterlose Scheindemokraten wären ab sofort obsolet.

Die nächsten Säue, die durchs Dorf getrieben werden, warten schon: Deutschlands Erzieherinnen. Da kann die gegenwärtige Kampagne kostengünstig wiederverwertet werden – als Frustbürger bieten sich genervte Eltern an.

In ein paar Jahren fahren die Züge vielleicht vollautomatisiert – Lokführer sind dann Geschichte und der Streik aus diesen Tagen Schnee von gestern.

Es liegt an uns, ob die Lokführer als Helden in die Geschichte eingehen oder als unverschämte Schnorrer Erwähnung finden, die es nicht besser verdient haben, von der Automation aussortiert worden zu sein.

Können wir auf diesen Vorschuss an Schadenfreude verzichten?

Deutschland muss stillstehen, sich sammeln und in sich gehen, wenn es die kommenden Umwälzungen überstehen will.

Sechs Tage reichen da wohl nicht aus, um endlich zur Besinnung zu kommen!


 

Bildquelle:

Claus Weselsky

 

 

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Chapeau für den Artikel und vor allem für Weselsky!
    Die Hetze der MSMedien ist nicht zu ertragen. Wieder ein Grund, noch nicht mal auf deren online-Präsenzen zu klicken. Keine Klicks mehr für ARD/ZDF/Spiegel/Zeit etc!!!
    Unserer Regierung wär es am liebsten, man würde Gewerkschaften gleich verbieten. Aber keine Bange – Nahles wirds richten. Komisch, dass die richtig üblen Demokratieversenker immer von der SPD kommen. Die sind die Deppen, die für die CDU die ganz schlimme Drecksarbeit machen und merkens nicht mal.
    Und die Hamsterrad-Sklaven pennen in ihrer Verblendung, dass man verzweifeln möchte.

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