Psychopharmaka – Körperverletzung durch Fehlbehandlung?

Zwei dokumentierte Fälle - Staatsanwaltliche Ermittlungen

pillen für die seele

Seit Monaten recherchieren wir zu verschiedenen Fällen, in denen Betroffene und deren Angehörige die Praxis der Behandlung mit Psychopharmaka kritisieren.


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In einem dieser Fälle hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Ob es allerdings zu einer Anklage kommt, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Hierbei geht es um eine sogenannte Unverträglichkeit von Neuroleptika bei einer angeborenen Hirnfehlbildung.

Zu den Neuroleptika zählt man die Medikamente, die im allgemeinem Sprachgebrauch zur Beruhigung eingesetzt werden, bei schweren psychischen Erkrankungen, wie Psychosen mit Wahnvorstellungen, Halluzinationen, vermehrter Unruhe und Aggressivität.

Sie gelten als nicht abhängig machend.

Nicht zu verwechseln ist diese Medikamentengruppe mit den klassischen, als Tranquilizer bezeichneten Beruhigungsmitteln, wie das bekannte Valium, die ein deutlich höheres Suchtpotential aufweisen.

Im Fall der hirngeschädigten Patientin ist die Sache sehr kompliziert. Sie wohnt in einem Wohnheim für behinderte Menschen. Eine gesetzliche Betreuerin wurde vom Gericht bestellt, die Eltern der jungen Frau haben kaum Einfluss und können seit der Volljährigkeit nicht mehr zum Wohle für ihr eigenes, hilfebedürftiges Kind entscheiden.

Immer wieder kam es zu Streitigkeiten mit dem Personal und zu Gerichtsverfahren, weil die junge Frau aus Sicht des betreuenden Personals aufgrund ihrer psychischen Erkrankung und den damit verbundenen Verhaltensauffälligkeiten mit Neuroleptika behandelt werden müsse.

Die Mutter beklagt, dass sich ihr Kind unter dem Einfluss der medikamentösen Behandlung sehr zum Nachteil verändert habe und führt diese Veränderungen auf die Wirkung der Medikamente zurück. Dazu zählt sie stereotype Verhaltensweisen, motorische Unruhe und selbstverletzendes Verhalten.

In der Tat werden in der Medizin verschiedene derartige Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Kontraindikationen, wie z.B. Stoffwechselstörungen oder die sogenannte paradoxe Wirkung beschrieben. Um in der Praxis Fehlbehandlung mit Psychopharmaka zu vermeiden, ist deshalb eine genaue Beobachtung bei Einleitung von neuen Medikamenten oder Veränderung der Medikation erforderlich.

Wenn der Verdacht auf eine möglicherweise paradoxe Wirkung, wie sie zum Beispiel in manchen Fällen bei Epileptikern auftritt und die Vergabe von dem eigentlich beruhigenden Valium zu mehr Unruhe und Gereiztheit führt, dann wird dies in einer qualitativ gut betreuten Situation erkannt und entsprechend dokumentiert.

Fehlt jedoch das Wissen über die Zusammenhänge, dann wird sogenanntes unerwünschtes Verhalten oft nicht mit den Medikamenten in Zusammenhang gebracht und der interdisziplinäre Austausch mit den behandelnden Ärzten führt dann häufiger zum dem Resultat, dass weitere Medikamente verordnet oder die Dosierungen erhöht werden, wie viele Betroffene klagen.

Wichtige Untersuchungsbefunde seien im Fall der Patientin nicht mehr vorhanden, so die Mutter. Für einen Nachweis der Unverträglichkeit von Neuroleptika müssten neue Befunde erbracht werden. Dazu bedarf es aber der Zustimmung der gesetzlichen Betreuerin, bei der auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht liegt.

Zur Beruhigung sei die Tochter auch häufig in einen sogenannten Time-Out-Room verbracht worden.

Eine solche Maßnahme muss gerichtlich genehmigt werden, ebenso wie die Einrichtung eines solchen Raums in einem Wohnheim in der Regel der Zustimmung der Behörden und der Kostenträger bedarf.

Diese Time-Out-Räume sind umstritten, es handelt sich dabei um reizarm gestaltete Räume, ohne Möglichkeiten zur Selbstverletzung, das Aufsuchen muss protokolliert werden, ebenso ist eine regelmäßige Aufsicht des Personals dabei vorgeschrieben.

Sie dienen dem Zweck, dass Menschen mit aggressiven Verhaltensweisen dort zur Ruhe kommen können und weder sich selbst noch andere dabei gefährden.

Häufig findet man diese zusätzlichen Räume, die nicht von jedem Kostenträger unbedingt gerne genehmigt werden, in Wohnheimen für Menschen mit Autismus.

Als pädagogische Maßnahme oder zur Verhaltenstherapie ist die Benutzung solcher Räume jedoch nicht konzipiert. Im Fall der Patientin hat das Betreuungsgericht die Notwendigkeit dieser Maßnahme nicht weiter bestätigt.

Das heisst allerdings nicht, wie die Mutter berichtet, dass die Tochter nicht weiterhin in diesen Raum gebracht wird, wenn das Betreuungspersonal dies als sinnvoll ansieht. Die Auflagen gelten nur, wenn der Betroffene nicht zustimmt und gegen seinen Willen in einen Time-Out-Room gebracht wird.

Die Tochter sei allerdings einverstanden gewesen, somit gebe es nichts zu beanstanden, habe man ihr auf Nachfragen mitgeteilt.

In einem weiteren Fall wird von einem relativ selten auftretenden genetisch bedingtem Stoffwechseldefekt berichtet.

Ein Patient mit dieser Störung habe deshalb unter dem Einfluss von Neuroleptika eine erhebliche Verschlechterung seines Zustandes erlebt, aufgrund der er letztendlich per Gerichtsbeschluss in der geschlossenen Unterbringung einer forensischen Psychiatrie eingewiesen wurde. Ihm wurden mehrere Straftaten zur Last gelegt, eine Anhörung findet in den nächsten Wochen statt.

Ebenso wurde von einer Psychologin eine umfangreiche Stellungnahme zu dem Gutachten angefertigt, mit dem seine Unterbringung begründet wurde.

Fragwürdige Praxis bei Anhörungen vor Gericht?

Auch hier bemängeln Kritiker die Praxis und sehen einen Missbrauch bei der Psychopharmakatherapie.

Wer gegen seinen Willen geschlossen untergebracht wird, muss von einem Richter angehört werden. In der Allgemeinpsychiatrie gründet die Zwangseinweisung auf die Psychisch-Kranken-Gesetze der Bundesländer.

Bei der Anhörung dürfen die Patienten nicht unter dem Einfluss von Medikamenten stehen, darum werden diese spätestens am Tag der Anhörung nicht verabreicht.

Wenn nun nach einer längeren geschlossenen Unterbringung ein Patient erneut angehört wird, was für ihn grundsätzlich eine erhöhte Stresssituation bedeute und ihm aber dann die Medikamente fehlen, an die er gewöhnt ist, dann sei es kein Wunder, wenn die Patienten auffällig, fahrig oder aggressiv erscheinen und deshalb einen schlechten Eindruck machen, so die Kritiker.

Risiken und Spätfolgen:

Unbestritten gründen die Erfolge der modernen Psychiatrie vor allem auf die Entdeckung und Weiterentwicklung der vielen hochwirksamen Medikamente, wie Antidepressiva und Neuroleptika. Sie machten viele Zwangsmaßnahmen überflüssig und ermöglichen heute vielen Betroffenen eine schnellere Stabilisierung und verkürzen die Behandlung, so dass Arbeitsplätze eher erhalten werden können und dass soziale Umfeld nicht verloren ginge.

Die Behandlung sei symptomatisch und mache die Menschen abhängig von Medikamenten und Therapie. Zudem haben besonders die Neuroleptika erhebliche Spätfolgen durch die Langzeitvergabe, u.a. die sogenannten Spätdyskinesien. Das sind häufig im Gesichtsbereich zu beobachtende unwillkürliche Bewegungen der Muskulatur, wie man sie oft bei Langzeitpatienten oder Bewohnern in Altenheimen erleben kann.

Ein weiteres bekanntes Risiko bei der Behandlung schwerer Depressionen mit Psychopharmaka ist die antriebssteigernde Wirkung vieler Antidepressiva. Bevor der therapeutische Spiegel erreicht ist, erleben die Patienten zunächst eine deutliche Besserung ihrer auch körperlich erlebten Niedergeschlagenheit, die quälenden Gedanken sind allerdings noch da.

Wenn der Patient auch Selbstmordabsichten hegt, dann besteht in der ersten Phase der Behandlung die höchste Gefahr, dass er die dazu nötige Energie auch aufbringt. Hierzu gab es bereits mehrere Reportagen und Dokumentationen, s. Welt

Die Behandlung mit Medikamenten ist nicht grundsätzlich zu verteufeln, aber dahinter steckt natürlich auch ein Milliarden schweres Geschäft. Hinweise, die darauf hindeuten, dass die Medikamente in der Praxis häufiger als gedacht, das Gegenteil von dem bewirken, wofür sie eigentlich entwickelt wurden, werden von den Herstellern nicht gerne gesehen.

Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Volkskrankheit Nr. 1 – der Depression – wurde 2010 mit 15,5 Milliarden Euro angegeben – Tendenz steigend.

Hier findet sich eine Erklärung dafür, warum der schnelle Griff zur Pille längst zur Gewohnheit geworden ist und Fragen nach grundsätzlichen, eher zeitraubenden Alternativen nicht gerne beantwortet werden.

In den beiden Fällen, die wir im Artikel behandeln und weiter begleiten, geht es jedoch nicht um diese grundsätzlichen Erwägungen, sondern um den Verdacht auf ärztliche Fehlentscheidungen bei nachweisbarer Unverträglichkeit der verordneten Medikamente.

Bisher hat es jedoch noch keinen Präzedenfall gegeben, da der Nachweis vor Gericht wesentlich schwieriger zu erbringen ist, als bei schief gelaufenen Operationen, bei denen es ebenso häufig den Schuldigen gelingt, die Verantwortung von sich zu weisen und Verfahren so lange zu verschleppen, bis den Opfern die Puste ausgeht.

Wir bleiben dran und berichten weiter über den Fortgang.



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3 Kommentare

  1. Wurden diese Medikamente nicht sogar mit Amokläufen und anderen Gewaltttaten in Verbindung gebracht? Ich finde gerade die entsprechenden englischsprachigen Artikel nicht….

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