Parental Alienation Syndrome – Missbrauch der kindlichen Loyalität

Doofer Papa, liebe Mama – blöde Mama, toller Papa?

Doofer Papa, liebe Mama – blöde Mama, toller Papa?

kind-im-dunkeln-missbrauch-emotionale-erpressung-scheidung-trennung

Die Kinderseele ist eine treue Seele. Das ist nicht nur vom Systemischen Familienstellen bekannt. Als erste Bindungspartner sind die Eltern in der Regel jene Menschen, denen ein Kind sich bedingungslos anvertraut, sogar anvertrauen muss, denn es ist von deren Fürsorge abhängig. Trennt sich ein Elternpaar, hat die Qualität des weiteren Umgangs miteinander entscheidenden Einfluss auf die seelische und emotionale Gesundheit des gemeinsamen Kindes und zwar besonders dann, wenn das Kind noch jung ist und selbst noch nicht angemessen über die Situation reflektieren kann. Versucht einer der Elternteile, das Kind auf seine Seite zu ziehen und es dem früheren Partner womöglich noch vorzuenthalten, kann das beim Kind zu unterschiedlichen Symptomen führen, die unter Parental Alienation Syndrome PAS) zusammengefasst werden.

Ein Paar, dessen Kommunikationskultur schon während der Beziehung von Wertschätzung getragen war, dürfte auch nach der Trennung eher in der Lage sein, einen für alle Beteiligten moderaten Umgang zu ermöglichen. Nur leider ist das in der Realität nicht immer der Fall, zumal Unterhalts- und Sorgerechtsstreitigkeiten das Klima zumeist noch verschärfen.

Was schon innerhalb einer Beziehung zu Konflikten führte, löst sich nach der Trennung normalerweise nicht in Wohlgefallen auf. Neid, Rache, Eifersucht, Habgier, Wut, Trauer, Stolz, Enttäuschungen – die Bandbreite menschlicher Emotionen bietet da eine regelrechte Fundgrube für jene, die ihre eigenen Gefühle auf die Kinder projizieren, um sie parteiisch zu machen. Die Entfremdung eines Elternteils schließlich kann unterschiedliche Ausmaße annehmen. Üble Nachrede im Beisein der Kinder, das Verunglimpfen von Geschenken des Elternteils, der entfremdet werden soll, bis hin zur Kontaktverweigerung und Denunziation.

Von Bauchweh bis Schulversagen

PAS kann sich bei Kindern psychisch oder physisch auf unterschiedliche Weise zeigen: Bauchweh, Traurigkeit, Aggressivität, Unsicherheit, Gereiztheit können einige der Symptome sein. Die Trennungssituation naher Bezugspersonen wird von Kindern ohnehin schon als schmerzhaft erlebt. Agieren Elternteile in der Folge noch ihre eigenen nicht verarbeiteten Konflikte über die Kinder aus, indem sie den Nachwuchs für eigene Zwecke instrumentalisieren, können die Kinder in schwere Loyalitätskonflikte geraten, denn im Grunde möchten sie beide Elternteile erhalten.

Aus Sicherheits- und Abhängigkeitsgründen schlägt sich das Kind oft lieber auf die Seite des manipulierenden Elternteils, aber unter der aufgezwungenen Ablehnung leben die Liebe und die Sehnsucht des Kindes nach dem anderen Elternteil weiter. Ein Kind gerät da schnell zwischen die Fronten, denn nach den Erfahrungen der Elterntrennung ist es noch beherrscht von der Angst, nun auch den anderen zu verlieren.

Machen Kinder beim Heranwachsen solche belastenden Erfahrungen, lernen sie, ihren eigenen Gefühlen zu misstrauen. Das kann später zu schweren Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich führen und sich in mangelnder Rollenidentität, schwachem Selbstwertgefühl und späterer Unfähigkeit zu menschlichen Bindungen äußern. Von Schulversagen, Essstörungen bis zu Selbstzerstörungstendenzen und Drogenkonsum reicht die Palette der Symptome, die mit einem PAS zusammenhängen können. Auch die Neigung zur Erpressbarkeit kann als verinnerlichtes Muster das weitere Leben der Kinder entscheidend prägen.

In einer „gesunden“ Trennungssituation beruhigen sich mit der Zeit die Gemüter und die Beteiligten machen sich bewusst, dass jeder seine Anteile am Scheitern der Beziehung zu verantworten hat. Paare, denen diese Bewusstwerdung gelingt und die ihre „Altlasten“ loslassen können, haben gute Chancen für ein Miteinander in Bezug auf die Belange des Kindes.

Wenn Paragraphen regeln müssen, was ohne nicht zu gehen scheint

Die Gerichte reagierten schon vor Jahren, als PAS in Fachkreisen häufiger diskutiert wurde, indem seither bei Scheidungen beiden Elternteilen das Sorgerecht zugesprochen wird, sofern keine gravierenden Gründe dagegen sprechen. Nach dem heute praktizierten Kindschaftsrecht haben beide Eltern nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zur Umgangsregelung. Ein ausgegrenzter Elternteil kann seine Rechte notfalls durch Gerichtsbeschlüsse durchsetzen. Bevor dieser Schritt gegangen wird, lohnt sich der Versuch, über Mediatoren oder Beratungsstellen Hilfe zu bekommen. Unabhängige Fachleute können vermittelnd tätig werden, wenn manipulierende Elternteile ihr Verhalten nicht ändern und der Verdacht auf Entfremdung des anderen Elternteils besteht.

Im Vorfeld sollte jedoch abgeklärt werden, ob beratend tätige Fachleute mit der Symptomatik des PAS überhaupt vertraut sind. Ist das nicht der Fall, kann es passieren, dass sie unwissentlich dem manipulierenden Elternteil die Bälle zuspielen, indem sie Schlussfolgerungen ziehen, die letztendlich nicht im Interesse des Kindes liegen.

Unterlassen manipulierende Elternteile ihr Verhalten nachweislich nicht und zeigen sie keine Bereitschaft, Hilfe von außen anzunehmen, kann ihnen juristisch der Sorgerechtsentzug angedroht werden. Eine juristisch verordnete Umgangsregelung kann zur Entlastung der Situation beitragen und dem Kind das Recht einräumen, zu beiden Elternteilen regelmäßigen Kontakt zu pflegen. Dennoch obliegt die Hauptverantwortung den Eltern. Das Kind sollte nach der Trennung im Idealfall erfahren dürfen, dass es über liebende und kompetente, zuverlässige Eltern verfügt.

Kindeswohl an erster Stelle

Die Interessen des Kindes sollten nach einer Trennung Priorität haben. Die alte Redensart „Zeit heilt alle Wunden“ trifft nicht auf Entfremdung zu. Kinder haben in sich männliche und weibliche Anteile, deren Integration eine wesentliche Bedeutung für ein heiles Heranwachsen eines Menschen hat. Für ein ausgewogenes Verhältnis dieser unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Merkmale ist ein gesundes Erleben mütterlicher und väterlicher Eigenschaften dringend notwendig.

Dem Kind muss ausdrücklich erlaubt sein, den anderen Elternteil zu lieben und ihn regelmäßig zu sehen. Es ist wichtig, sich dem früheren Partner gegenüber neutral zu verhalten. Davon hängt in starkem Maße ab, wie sich die eigene Urteilsfähigkeit des Kindes entwickelt. Es wird erkennen, dass beide Eltern gute und schlechte Seiten haben und lernen, bei jedem der Partner die Qualitäten zu schätzen, die es nehmen darf.

Frieda C.

Unterstützen Sie uns mit Paypal

Opposition 24 unterstuetzen
Ihre Email Adresse:
für eine Banküberweisung finden Sie die Kontonummer im Impressum
Frieda C.
Über Frieda C. 4 Artikel
Journalistin und Autorin