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Seit Jahren bejammern die deutschen Unternehmen den immer weiter sinkenden Bildungsstand der Schulabgänger. Die meisten haben deutliche Defizite in den „hard skills“, wie Rechnen (Mathematik), Schreiben (zuviele Orthographiefehler und zu kleiner Wortschatz), Allgemeinwissen. Bildungsexperten beklagen: „Trotz gestiegener guter Schulabschlüsse steigt die Anzahl der jungen Menschen, die gleich zu Beginn einer Berufsqualifikation in Unternehmen oder Hörsälen mit fehlenden Grundlagenkompetenzen hinsichtlich Sprache und Mathematik zu kämpfen haben. „Diese Hardskills gelten immer weniger als Elementartechniken in der schulischen Bildung.“

Die logische Folge: Immer mehr Betriebe und Universitäten müssen per Nachschulung die fehlenden schulischen Grundlagen nachbessern.

Auch die Konrad-Adenauer Stiftung hat in einer Studie zur „Studierfähigkeit und Ausbildungsfähigkeit“ der jungen Deutschen feststellen müssen, dass die schönen Zahlen trügen: 53% der Schulabgänger haben Abitur oder eine andere Berechtigung zum Besuch einer Universität. Doch diese „Inflation der Bildungsabschlüsse“ wurde mit einem drastischen Absturz der Qualität erkauft.

Tatsache ist, dass jeder dritte in der Industrie- und Handelskammer erfasste Betrieb die Auszubildenden einem „nachholenden Schulunterricht“ unterzieht, bevor man überhaupt damit anfangen kann, den hoffnungsvollen Eleven, die man aus dem Pulk an Schulabgängern noch für brauchbar hält, einen Beruf beizubringen. Auf den Universitäten sieht es nicht anders aus. Das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife bezeugt gerade diese Reife nicht. Die jungen Erwachsenen brauchen eine Nachschulzeit, in der sie richtig Rechnen, Schreiben und das Erfassen und Verständnis eines Textes erlernen müssen. Die Konrad Adenauer-Stiftung stellt ernüchtert fest, dass „neue und verbindliche Mindeststandards“ unbedingt nötig seien, um die jungen Erwachsenen und jugendlichen überhaupt ins Arbeitsleben und in den Studierbetrieb aufnehmen zu können.

Ein wachsender Teil der Schulabgänger bringe schlicht die Kompetenzen nicht mit, die ihnen in den Zeugnissen attestiert werden“, stellt die Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung fest. (…) Große Schwächen bestünden selbst bei Germanistikstudenten in der Rechtschreibung und der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Und in den Ingenieurwissenschaften wiesen die „Ergebnisse von Eignungsprüfungen eklatante Mängel in Bereichen der Mathematik auf, die in der Oberstufe von allen gelernt worden sein müssten.“

Die Zeit“ berichtet geschockt von der Senkung der Anforderungen an den Schulabschluss und zitiert einen Lehrer, Herrn Frese, der seiner Frustration Ausdruck verleiht:

Mit der Einführung des Zentralabiturs sei das vorbei gewesen. Von nun an habe für das ganze Land nur noch der Mindeststandard gegolten. Die Zahl der erfolgreichen Abiturienten sollte ja nicht sinken, sondern steigen. Der Gymnasiast aus dem reichen Vorort, mit jahrelanger Nachhilfe auf Spitzennoten gedrillt, sollte die Prüfung ebenso bestehen wie der Gesamtschüler im Problembezirk. Also orientierte man sich am unteren Ende des Leistungsspektrums. ‚Wir mussten sichergehen, dass alle das hinbekommen‘, sagt Herr Frese. (…) Allen Beteiligten sei klar gewesen, dass die ganzen Reformen sinnlos gewesen wären, wenn all die neuen Abiturienten durch die Prüfung gerasselt wären. Also seien in vielen Runden mit Dezernenten aus den Schulbehörden die Standards ‚heruntergekocht‘ worden.“

Das war schon vor einigen Jahren so, und es ist eher schlimmer als besser geworden. Dieselbe „Zeit“ veröffentlichte vor ein paar Tagen eine Besprechung des neuen Buches von Michael Winterhoff, einem Kinder- und Jugendpsychiater, der schon einige Bücher über die Themen Kinder und Jugendliche, Erziehung und Psyche geschrieben hat. Diesmal nimmt er die Bildungsmisere auf‘s Korn. Sehr zum Unwillen des Rezensenten Martin Spiewak. Dieser pickt sich die – möglicherweise etwas drastisch formulierten – Diagnosen Winterhoffs heraus:

Unsere Kinder verfügen ‚über keine Frustrationstoleranz und meiden jede Anstrengung‘. Jeder ‚zweite Azubi hat eine Psyche wie ein Kleinkind‘, in den Grundschulen hinken gar ’70 bis 80 Prozent der Kinder ihrer Entwicklung weit hinterher‘.“

Das Schlimmste scheint dem Herrn Spiewak zu sein, dass Dr. med. Winterhoff schon mehrfach auf diesem Thema herumgeritten ist. Und er wirft dem Autor „immer neu zusammengesetzte Textbausteine“ zu diesem Themenkreis vor. Leicht süffisant kommentiert der Herr Kritikaster die Feststellungen des Kinder- und Jugendpsychiaters auf eine Weise, die aber eher vermuten lässt, dass er selber offenbar keine Kinder hat und sich mit den Schul- und Lernproblemen theoretisch auseinandersetzt. Eine Vermutung, die sich durch seine Autorenseite bei der Zeit und dem Beitrag über ihn auf Wikipedia verdichtet.

Es geht aber nicht nur um erlernte „Hard Skills“, sondern auch um die Entwicklung und Formung der kindlichen Persönlichkeit, kurz: Erziehung. Winterhoffs Vorwurf an die Eltern, sie hätten es verlernt, die Kinder zu erziehen, ist nämlich etwas, was man schon seit ziemlich langer Zeit beobachten kann, wenn man mit echten Familien, echten Kindern, Jugendlichen, Eltern und Großeltern öfter zu tun hat. Bei den Kleinsten wird schon mit Verhandeln und Erklärungen versucht, irgendetwas zu erreichen, was erwartungsgemäß schiefgeht und bei den Großeltern nur resignierendes Kopfschütteln erzeugt. Natürlich geben die lieben Kleinen einen Sch… auf Verhandlungen und Vorschläge der Eltern, wenn sie etwas partout wollen oder nicht wollen. Kinder versuchen, sich durchzusetzen und brauchen liebevolle, aber stringente Autorität. Fehlt diese, darf man sich nicht wundern, wenn Kinder ihre Eltern für schwach und manipulierbar halten und mit ihnen „den Molli“ machen. Kinder wollen sich aber beschützt fühlen und starke Eltern haben. Papa ist ein Held und Mama eine Göttin für alles. Punkt. Alles andere bedeutet für das Kind Enttäuschung und Verunsicherung. Es braucht klare Grenzen, klare Gebote und viel, viel Liebe.

Winterhoff beschreibt in seinem Buch aber nicht nur die falsch erzogenen und falsch ausgebildeten Kinder. Sein neues Buch ist – und genau das stört Leute wie Herrn Spiewak – eine Abrechnung mit der verkopften, linken Ideologie, die sich in der Bildungspolitik durchgesetzt hat. Dabei, so seine, Winterhoffs, Kritik, wurden die Lehrer wie auch die Schüler und Eltern einfach vom D-Zug des pädagogischen Zeitgeistes überrollt. Es wurde einfach von oben postuliert, dass Kinder sich problemlos selbst organisieren, sich freiwillig an Arbeit und Lernen setzen und sich die Lerninhalte autonom aneignen.

Das funktioniert natürlich nicht und warum nicht, erklärt Winterhoff in einem Interview mit dem Deutschlandfunk:
Psyche, Leistung, also zum Beispiel soziale Fähigkeiten oder Arbeitshaltung, das sind Fähigkeiten, die müssten von klein auf eingeübt und abverlangt werden, also sie kommen nicht von alleine. Wenn ich aber Kinder auf sich gestellt lasse, dann leben sie quasi wie Kleinkinder in der Vorstellung: Ich kann alles bestimmen, ich kann alles steuern, ich muss mich auf niemanden einstellen und ich lebe nach Lustimpulsen. Und deshalb bleiben die da stehen.“

Das führt dann auch dazu, dass, wenn der Lustimpuls zum Rechnen lernen fehlt, eben auch nicht freiwillig gelernt und erarbeitet wird. Dazu kommt, dass bereits in der Kita die „Erzieherinnen“ nicht mehr erziehen, sondern sich mehr oder weniger auf einen Beobachterstatus zurückziehen und die Kinder entscheiden lassen, was sie spielen und wo, was sie essen wollen und was nicht „und ob und wann sie gewickelt werden“. Und auch später, beobachtet Winterhoff, setzt sich das in vielen Schulen fort: Die Jungen und Mädchen lümmeln sich auf Puschelteppichen oder Sitzsäcken herum und „greifen nach Lust und Laune mal zu einer Hör-CD, mal zu einem Lernvideo. Wagt der Lehrer doch einmal, einen Hinweis für alle zu geben, verstehen die Kinder das kaum“.

Die Lehrer übernehmen nicht mehr die Führungsrolle, erteilen keine klaren Anweisungen mehr, was jetzt ansteht und dass nun alle diesen oder jenen Stoff lernen müssen, sondern – gemäß der „Ideologie des offenen Unterrichts“, erhalten die Kinder Aufgabenzettel, mit denen sie dann ohne Anleitung und Hilfe allein gelassen werden. Mit diesem so wunderbaren „autonomen Arbeiten“ seien die Kinder aber überfordert, lavieren sich durch, machen irgendwas, was sie meinen, eine Qualitäts- oder Erfolgskontrolle erfolgt nicht. Die Kinder haben keine Chance, wirklich etwas Brauchbares zu lernen. Sie können das, was sie sich so selbst beibringen, nicht wirklich bewerten und einschätzen und sich nicht entlang klarer Maßstäbe entwickeln und ihren eigenen Stand des Könnens objektiv feststellen.

Die Früchte dieser Lernmethode zeigen sich heute schon bei jungen Erwachsenen. Das kann jeder feststellen, der öfter mit ihnen zu tun hat. Ich mache Filme und Dokus und hatte des öfteren Praktikanten. Film und Internet sind beliebte Gebiete für Schulpraktika und Vorpraktika für Studiengänge, wie Mediengestalter und Filmhochschule. Da kamen einige junge Leute, die eine restlos unbegründet hohe Meinung zu ihren eigenen Fähigkeiten hatten. Die Selbsteinschätzung stand des öfteren in keinem Verhältnis zum vorhandenen Können. Ganz einfach, weil es keine objektive Messlatte für sie gab. Schüler, die noch eine relativ „traditionelle“ Ausbildung haben, sind sich im Klaren darüber, wo sie mit ihrem Können stehen, sie haben eine höhere Frustrationstoleranz, sind eher bereit, aus Fehlern zu lernen, akzeptieren leichter Chef-Ansagen und sind beharrlicher und konzentrierter beim Lösen und Abarbeiten einer Aufgabe.

Um aus den Irrtümern des totalen Laissez-Faire und des „Autonomen Arbeitens“ herauszukommen, positive Ansätze davon zu wahren, die guten Seiten der klassischen Erziehungsmethoden gleichzeitig wieder offen anzunehmen, bedarf es einer groß angelegten Bildungsoffensive, sagt Autor Michael Winterhoff. Das erfordert aber auch Stellungnahme der Lehrer. Winterhoff sieht gerade hier ein Problem: Die Intoleranz der linken Ideologien.

In dem Interview mit der Deutschen Welle weist Michael Winterhoff darauf hin, dass auf den Lehrern ein immenser Druck lastet:
Die Lehrer haben einen Maulkorb aufbekommen. Ein Lehrer, der heute klar sagen würde, wie die Verhältnisse an seiner Schule sind, in der Klasse sind, bei den Kindern sind, der wird danach sehr, sehr viel Druck erfahren, und deshalb: Ich habe sehr viele Lehrer, die bereit waren, mir Material zu geben, auch zum Interview zur Verfügung zu stehen, aber immer darauf bestanden haben, dass sie anonym bleiben.“

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