Islam gewinnt an Bedeutung

Auch die Zahl der Christen steigt an

Bis zum Jahr 2050 wird weltweit der Islam am stärksten wachsen und mit geschätzten 2,76 Milliarden Gläubigen nicht mehr weit von der Zahl der bisher größten Religionsgemeinschaft, den Christen entfernt sein. (2,92 Milliarden)

Wenn man hierzulande von den großen drei Weltreligionen spricht, womit das Christentum, das Judentum und der Islam gemeint sind, trifft das weltweit, aber auch innerhalb der meisten europäischen Länder schon heute nicht mehr zu. Die großen Drei sind das Christentum, der Islam und der Hinduismus.

Die Konfessionslosen bilden heute mit 1,13 Milliarden und ebenso steigendem Anteil bis 2050 schon die viertgrößte „Glaubensgemeinschaft“.

islam_gewinnt_an_bedeutung
Infografik by statista

Für die europäischen Länder mit einem hohen Anteil muslimischer Migranten wird das eine weitere Herausforderung bedeuten und vielleicht auch den Abschied von einer mehr oder weniger vollzogenen Trennung von Kirche und Staat erfordern. Aber wie könnte das aussehen?


Möchten Sie diesen Werbeplatz buchen? Dann nehmen Sie am besten heute noch Kontakt mit uns auf

Das im Westen Europas ausschließlich auf das Christentum bezogene Prinzip des Laizismus (Frankreich) oder das Konkordat, wie auch die Aufklärung  hat den Einfluss der Kirchen auf das gesellschaftliche Leben zurückgedrängt – für die Zukunft sind diese Modelle möglicherweise nicht mehr passend.

Aus den strengen christlichen Tugend- und Sittenwächtern von einst sind vor allem eher sozialpolitisch agierende Verwalter staatlich subventionierter Wohlfahrtsverbände geworden. In Deutschland sind nach wie vor die beiden Amtskirchen nicht nur die größten Grundbesitzer, sondern auch die größten Arbeitgeber im sozialen Bereich.

Das Christentum vermag aber viele Menschen nicht mehr als Religion zu überzeugen. Der Anteil der Konfessionslosen in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr durch Kirchenaustritte immer mehr an, wobei viele Ausgetretene häufig angeben, dass sie vor allem das Verhalten der Kirchenobrigkeit kritisieren. Kirche ist heute für viele auch nicht mehr der Ort religiöser Erfahrung, sondern eine Begegnungsstätte mit anderen Menschen.

Wie sehr die christliche Religion im Laufe der Zeit – bildlich gesprochen – religiös entkernt wurde, kann man zurzeit gut auf dem evangelischen Kirchentag beobachten. Margot Käßman spricht offen die Schattenseiten Martin Luthers an – den Judenhass! Ein Thema, das lange innerhalb der EKD ein Tabu war, auch Homo Ehe als Thema und die Mitwirkung vieler politischer Initiativen unterstreichen die Verweltlichung der Kirche. Kirchentage oder die Papst Auftritte am Petersplatz haben mehr von einem Rockkonzert, sind allerdings nicht ganz so cool.

Parallelgesellschaften und Ängste vor der Islamisierung

In Zusammenhang mit Pegida und sonstigen islamkritischen Bündnissen wird häufig von deren „behaupteter Islamisierung“ berichtet, die nicht in dem Ausmaße stattfände, wie die Islamkritiker es propagierten. Das entspricht aber nicht den Fakten.

Zahlenmäßig bilden die Muslime in Deutschland und den Nachbarländern eine deutliche Minderheit. Aber der Anteil der Muslime wächst beständig und der Anspruch, Einfluss auf das gesellschaftliche und politische Leben zu nehmen, steigt damit in gleichem Maße an. Das führt zu Konflikten und breiten gesellschaftlichen Diskussionen, z.B. wenn es um den Bau von Moscheen geht, was in der Schweiz in einer Volksabstimmung über das sogenannte Minarettverbot gipfelte. Mit der Sarrazin Debatte wurde erstmals auch laut von bestehenden Parallelgesellschaften geredet.

Das Fordern von Sonderrechten für religiöse Gemeinschaften hat im alten Europa stets zu erbittertem Widerstand geführt. So waren auch die ersten Auswanderer in die Neue Welt häufig Angehörige religiöser Minderheiten, wie Mennoniten oder die ebenfalls deutschstämmigen Amish-People.

In den USA wird die Freiheit der Religion anders interpretiert. Scientology gilt dort nicht als Sekte, sondern als Kirche und der Staat mischt sich so gut wie nicht in die Angelegenheiten der vielen religiösen Minderheiten ein, wenn sie einige wenige Regeln akzeptieren. 1896 wurde der Mormonenstaat Utah nach dem Verzicht auf die Polygamie schließlich doch noch zum 45. Bundesstaat.

Die Ablehnung des Islams hat aber nicht nur mit Konflikten im Alltag oder der Angst vor Terrorismus zu tun, sondern mit der nicht weg zu diskutierenden Lebenswirklichkeit in den über 50 Staaten mit dem Islam als Staatsreligion und häufig einem Rechtswesen, das auf der islamischen Scharia beruht. Kopftuch- oder Burkazwang unter Androhung von Todesstrafe, die auch bei Abfall vom Glauben, Gotteslästerung oder Atheismus angewandt werden kann, das sind keine schönen Szenarien für eine multikulturelle Gesellschaft der Zukunft, die sich mehr und mehr dem Islam und den damit verbundenen Traditionen öffnet.

Statistik: Woran denken Sie beim Stichwort Islam? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Die erst seit wenigen Jahrzehnten selbstverständliche Freizügigkeit vor allem für Frauen, soll nun der Rücksichtnahme auf das Schamgefühl religiöser Minderheiten, wie bei Forderungen nach gesonderten Badezeiten nur für muslimische Frauen in öffentlichen Schwimmbädern weichen oder es muss Verständnis für nicht nachvollziehbare religiös begründete Essensvorschriften (Halal) aufgebracht werden – für viele ist das ein Zuviel der Toleranz für eine Religion, die nicht für ihre Toleranz bekannt ist und keine schmerzhafte Aufklärung über sich ergehen lassen musste. Dies geschieht erst jetzt in der Gegenwart und Kritiker aus den eigenen Reihen werden häufig nicht nur bedroht, sondern ermordet oder „rechtmäßig“ hingerichtet.

Säkularisierungsprozesse bei Muslimen werden dagegen in der Öffentlichkeit nicht so deutlich wahrgenommen, wie die teilweise aggressiv vorgebrachten Forderungen konservativer Fundamentalisten. Im Zentralrat der Ex Muslime sind nur wenige Menschen organisiert, die sich aktiv für Verfolgte aus islamischen Ländern einsetzen und aufgrund eigener Erfahrungen ihrer Religion den Rücken gekehrt haben. Viele schweigen aus Angst vor den Folgen und bekennen sich nicht öffentlich oder durch gesellschaftliches Engagement für ihre aufklärerische Arbeit und ihre kritische Haltung.

Im Stadtstaat Singapur hat man das Zusammenleben der unterschiedlichsten Religionsgemeinschaften autoritär gelöst. Der Staat fungiert als oberster Wächter über den gesellschaftlichen Frieden: Halal – Essen für Muslime ist eine Selbstverständlichkeit in den Kantinen und wird dort getrennt angeboten. Wer das Ansehen der Religionsgemeinschaften beschädigt oder für Unfrieden sorgt, dem drohen drakonische Strafen in dem kleinen säkularen Staat.

Ob dieses Modell auch in Deutschland, und damit auf Kosten der Freizügigkeit einer großen Mehrheit durchsetzbar wäre, wenn der gesellschaftliche Frieden auf der Kippe stünde? Die Frage ist nicht mehr weit entfernt. Erste Anzeichen dafür zeigen sich in den Vorstößen einzelner Politiker nach einer Verschärfung des Blasphemieparagraphen 166 StGB:

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

In der Vergangenheit hat es immer wieder multikulturelle Gesellschaften gegeben, in denen eine friedliche Koexistenz von Muslimen, Christen und Juden möglich war – bestes Beispiel dafür ist das mittelalterliche Toledo – heute unvorstellbar, aber die Gesellschaften des Mittelalters waren feudalistisch, so wie auch das heutige Singapur noch immer in seinen Grundzügen das Erbe aus der Zeit des Kolonialismus bewahrt hat.

In einer offenen, freiheitlich demokratischen Gesellschaft kann Toleranz schwerlich mit autoritären Mitteln durchgesetzt werden. Die historisch belegte Episode gegenseitiger Achtung und des Respekts füreinander entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Märchen – denn sie währte nur kurz und endete in blutigen Auseinandersetzungen.


 

Photo by opposition24.de

für eine Banküberweisung finden Sie die Kontonummer im Impressum
Opposition 24 unterstuetzen
Ihre Email Adresse:

Hinweis zu den Kommentaren

Kommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder!
Redaktion
Über Redaktion 5292 Artikel
Frisch aus der Redaktion

1 Kommentar

Kommentare sind deaktiviert.