Etikettenschwindel Inklusion: Die simulierte Mitbestimmung

Beispiel Werkstattrat

simulierte Mitbestimmung

Aufgrund der unglaublichen Resonanz zum Thema „Etikettenschwindel in Werkstätten für Behinderte“, fahre ich hier nun in unregelmäßigen Abständen mit weiteren Betrachtungen fort. Wer unseren heutigen Sozialstaat und das was er hervorbringt für eine besondere Errungenschaft hält, wird Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, denn da bin ich gänzlich anderer Meinung. Ich halte diese Simulation letztlich für menschenverachtend.

Ein praktisches Beispiel ist die Mitbestimmung im Mikrokosmos Behindertenhilfe, speziell in den „Werkstätten.“
Dort gibt es für das „richtige Personal“ je nach Trägerschaft Betriebsräte, Personalräte oder die kirchliche MAV. Je nach Besetzung sind diese Instrumente oft nichts als fauler Zauber, aber das liegt in der Verantwortung der gesamten Belegschaft.

Damit in der simulierten Arbeitswelt für die behinderten „Rehabilitanden“ alles seine Richtigkeit hat, gibt es also analog zu den Betriebsräten sogenannte „Werkstatträte.“


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Allein diese Vorschrift sichert mindestens eine Planstelle, meist mit Sozialpädagogen besetzt, für die regulär Beschäftigten ab. Denn natürlich benötigen die Vertreter der im arbeitnehmerähnlichen Verhältnis stehenden Humanressourcen Anleitung bei der Wahrnehmung ihrer Interessen. Vergessen wir nicht dabei  – Haupteinnahmequellen dieser Einrichtungen sind nicht die produzierten Güter und Dienstleistungen, sondern oft zu 80 – 90 Prozent Fördermittel, deren Höhe von der Belegung abhängen.

Je nach „Betrieb“ gibt es in den Sozialdiensten, oft auch begleitende Dienste, ein bis zwei Vertrauensleute, die den Werkstattrat bei seiner Arbeit „unterstützen.“ Grundsätzlich kommt in jeder dieser Einrichtungen nur eine kleine Auswahl von Leuten in Betracht, die die erforderlichen Grundkompetenzen hat, diese Aufgabe wahrzunehmen, wahlberechtigt sind alle behinderten Mitarbeiter.

Nicht jeder versteht, um was es bei diesen Wahlen überhaupt geht oder kann seine Stimme nur durch Assistenz abgeben, eine geheime Wahl ist so also nicht für alle möglich. Aber die engagierten Sozialarbeiter machen alles, damit auch wirklich jeder zu seinem Recht kommt. Wer nicht lesen und schreiben kann, macht eben sein Kreuzchen neben dem Foto seines Favoriten oder deutet eventuell mit Handführung auf das Konterfei seines Wunschkandidaten. Ob eine abgegebene Stimme verwertbar ist, liegt ganz im Ermessen der Vertrauensleute, denn auch auf diese verlässt sich letztlich das Wahlkomitee eines amtierenden Werkstattrats.

In den Arbeitsbereichen, die gemäß dem „arbeitnehmerähnlichen Status“ der Beschäftigten eigentlich auch arbeitsähnliche Bereiche heißen müssten, gibt es zusätzlich auch sogenannte Gruppensprecher, ähnlich den Klassensprechern in der Schule. Auch ihnen stehen wiederum hilfreich die sozialen Dienste zur Seite.

In der Praxis sind dann die Werkstatträte bei vielen Sitzungen anwesend, bei denen ihnen zuvor erklärt wird, um was es eigentlich geht. Welche Musik wird beim Sommerfest gespielt und was demnächst auf dem Speiseplan kommt – da können sie sich engagieren. Dürfen am hauseigenen Kiosk noch Süßigkeiten verkauft werden, wo doch ein „Gesundheitskreis“ aus engagierten regulär Beschäftigten und wiederum ausgesuchten und geeigneten behinderten Beschäftigten natürlich während der Arbeitszeit um Aufklärung über gesunde Ernährung bemüht ist? Jeder Unsinn aus dem großen Gutmenschuniversum wird in diesem Mikrokosmos abgebildet – wozu ist diese Parallelwelt dann noch vonnöten?

Man stelle sich vor, Betriebsratsmitglieder würden durch Mitarbeiter der Personalabteilung geschult, begleitet und eingewiesen und der Belegschaft sogar bestimmte Kandidaten empfohlen, da sie die richtigen Kompetenzen hätten –  alles unter dem Deckmantel der Personalförderung – schnell würde diese Situation mit der gelenkten Demokratie verglichen werden.

Geht es um betreute Menschen, deren Dasein solche Einrichtungen erst ihre Existenz verdanken, wird dieser Interessenskonflikt damit gerechtfertigt, dass dort ja grundsätzlich der Mensch im Mittelpunkt stünde. Ähnlich argumentierte man in den 70er und 80er Jahren bei der Handelsgesellschaft co-op und ihren Supermärktenman bräuchte keine Betriebsräte, da die Eigentümer dieser obskuren Genossenschaftsverschmelzung überwiegend die Gewerkschaften waren. Zerschlagen wurde das Konstrukt nicht wegen Verstößen gegen den Arbeitsschutz oder sittenwidriger Beschäftigungsverhältnisse, sondern wegen übler Bilanzfälschungen und Geldschiebereien des Vorstands.

Entgegen dem Nutella Prinzip ist eben nicht immer wirklich das drin, was drauf steht. Bei der Inklusion jedoch findet sich gar kein Inhalt, nicht mal heiße Luft.

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Wolfgang van de Rydt
Über Wolfgang van de Rydt 230 Artikel
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3 Kommentare

  1. Schöner Artikel. Die simulierte Mitbestimmung gibt es ja auch in vielen anderen Bereichen.

    An Schulen, an Universitäten, in Kinder- und Jugendeinrichtungen, usw…

    Letztenendes darf man ja auch bei Wahlen nur über die ausgesuchten Personen und v.a. deren Gruppierungen entscheiden.

    Die Möglichkeit direkt politische Entscheidungen zu beeinflussen sind ja minimal. Volksentscheide verpflichten ja niemanden und dürfen nicht die Verwendung des Budget beeinflussen.

    Und die gewünschten Personen und Gruppierungen werden unseren Normalen
    (ähnlich wie den Behinderten) per Presse auf dem Tablet serviert. Deren angebliche Kompetenzen dargestellt und alles getan, damit das Ergebnis stimmt.

    So sehr unterscheidet sich das für die Normalen nicht von der Mitbestimmung in einer Werkstatt für Behinderte.

    Betrachtet man die BRD nicht als Staat sondern als Wirtschaftsunternehmen mit Personalbetreuung, dann werden die Parallelen noch sichtbarer…

    • Ob die Tiere im Zoo wissen, weshalb sie dort so liebevoll „gepflegt“ werden? Das wäre ein neuer Job für sogenannte Tiertelepathen, den Löwen und Affen bei der Mitbestimmung zu assistieren und ihnen anhand von Bildtafeln und Zeichensprache, die Tierschutzgesetze zu erklären.

      • Der Aspekt, dass die Leute gar nicht wissen, was sie wählen, hat man ja bei den Briefwahlen in vielen Pflegeheimen.

        Und am Zähltisch kann man ja auch noch für die richtigen Resultate sorgen wie zu sehen in BBC Bildern beim Unabhängigkeitsvotum für Schottland!

        Passend vielleicht auch:

        The Story Of Your Enslavement
        von Mike Maloney and Stefan Molyneux

        https://www.youtube.com/watch?v=Xbp6umQT58A

        Da geht es unter anderem auch darum, warum wir eine so tolle Sozialversicherung und Pflege haben. Und wieso sich dieses System so „großherzig“ um uns alle kümmert.

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