Ex-Sowjetunion heute: Russland Nutznießer des Zerfalls

Die Sowjetunion hat sich vor 25 Jahren friedlich aufgelöst. Es ist daher der richtige Zeitpunkt die Fragen zu stellen, was ist aus dem roten Imperium ökonomisch geworden ist? Gibt es gravierende Verschiebungen in der Wirtschaftskraft der Ex-Republiken? Hat sich der neue Kapitalismus überall gleich entwickelt? Diese Fragen werden in folgendem Beitrag  behandelt, dem weitere ökonomische Kurzporträts der Regionen (Baltikum und Weißrussland, Ukraine und Moldawien, Zentralasien, Kaukasus und Russland) folgen.

Riesen und Zwerge – die vorherigen Unterschiede haben sich noch vergrößert

Beim einen solchen Vergleich spielt die Größe einzelner Länder die entscheidende Rolle. Egal, wie sich z.B. das fleißige Baltikum auch anstrengen würde, es wird nie einen Bruchteil der Wirtschaftskraft Russlands erreichen. Es kann sich allenfalls als Region mit Weißrussland messen.

Um konkret zu erfahren, was aus der Ex-Sowjetunion geworden ist, erscheint es sinnvoll, sich die Ausgangslage in 1990 anhand weniger Indikatoren (unten in %) anzuschauen. Wenngleich diese durch die künstlichen innersowjetischen Preise und das wenig transparente Umverteilungssystem erheblich verzerrt wurden, gibt es keine andere Möglichkeit für einen sinnvollen Einstieg.
Die Zahlen zeigen, dass die wirtschaftliche Dominanz Russlands noch gestiegen ist. Es ist der wahre Nutznießer des Zerfalls. Wer die Anteile der Industrieproduktion von 1990 mit denen des BIP von 2015 vergleicht, stellt einige Verschiebungen in der Reihenfolge fest. Russland hat seinen Anteil von 63% auf 75% erhöhen können. Auffällig ist weiter der gestiegene Bevölkerungsanteil Zentralasiens im Vergleich zu seinem unverändert niedrigem BIP-Anteil (heute 28% versus 10%). Schließlich ist noch der massive Rückfall der Ukraine (BIP heute nur noch 7%) zu erwähnen. Ansonsten sind die Unterschiede nicht gravierend. Wie ersichtlich, die kapitalistische Transformation war nicht für alle ein Segen.

Region Industrieproduktion Landwirtschaft Bevölkerung
Russland 62 50 50
Ukraine 16 18 18
Moldawien 1 2 2
Weißrussland 4 5 4
Kaukasus 4 5 6
Baltikum 3 4 3
Zentralasien 10 16 17
Zusammen 100 100 100

 

Auch die globale Dimension ist wichtig. Zu Sowjetzeiten konnte das riesige Land, wie heute Russland, gerade die BIP-Wirtschaftskraft von Deutschland erreichen.

Wie dürfte es weitergehen? Kurzfristig ist eher eine Verteidigung des Status Quo denn eine Expansion denkbar. Schuld daran ist das geopolitische Klima (Sanktionen, Rüstung) und das ungünstige wirtschaftliche (niedrige Gas- und Ölpreise) Umfeld, von dem, neben Russland, auch andere Rohstoff exportierenden Länder der Region (Turkmenistan, Kasachstan, Aserbaidschan) betroffen sind. Langfristig zitieren zwar einige Optimisten das ermunternde Beispiel Chinas, welches in 35 Jahren beim BIP von Platz 10 in 1980 auf Platz 1 in 2015 aufrückte. Das war tatsächlich ein „großer Sprung“, der neben dem rigorosen Reformkurs zum großen Teil auf die günstige Demografie zurückzuführen war. Denn Chinas Bevölkerung hat sich seit 1960 auf heute 1,37 Mrd. Menschen verdoppelt. Von einem vergleichbaren „großen Wurf“ träumt heute in Russland niemand, auch die Ex-Sowjetrepubliken bleiben auf dem Boden. Eher ist ein Business as usual zu erwarten. Die Gesamtbevölkerung des Ex-Imperiums stagniert heute bei 295 Mio. Einwohnern.

Einzelne Ex-Republiken haben sehr unterschiedlichen Kapitalismus – Varianten entwickelt. Hat das eine Bedeutung für ihre weitere Entwicklung? Ja und nein. Nach der gängigen These schneiden sowohl die Länder mit Staatskapitalismus (Russland, Weißrussland) als auch mit Finanzkapitalismus (Baltikum) relativ „besser“ ab, als die Rentierstaaten und die Länder mit einem „verhinderten Kapitalismus“

Kapitalismusvarianten in der Ex-Sowjetunion

Das Privateigentum an Produktionsmitteln reicht nicht aus um einen Staat als kapitalistisch zu nennen, wenn staatliche Machtstrukturen und die Kapitalbasis (Produktionsstätten, Finanzen) fehlen. Viele arme Entwicklungsländer in Afrika leben vorwiegend von Entwicklungshilfe und von etwas Landwirtschaft. Sie als kapitalistisch zu bezeichnen, würde den Begriff zu arg strapazieren. Aber auch der existierende Kapitalismus ist nicht gleich Kapitalismus. Denn die Unterschiede zwischen den USA und Griechenland oder zwischen China und Saudi-Arabien sind gewaltig. Generell ist zu fragen, ob ein Staat der über mehr als 50% der Ressourcen verfügt, nicht eher „sozialistisch“ ist? Letztendlich kommt es nicht auf die reine Eigentums- sondern auf die Verfügungsfrage an. Die Staatsquoten, die den Anteil des Staatshaushaltes am BIP messen, erreichen in westlichen Demokratien inklusive der Sozialfonds (Renten-, Kranken-, Arbeitslosenversicherung) die Grenze von 50%.

Wie in diesem Kontext das heutige Russland und die Ex-Sowjetrepubliken einzustufen sind, zeigt die weitere Tabelle. Obwohl die Planwirtschaft in allen Ländern abgeschafft wurde, sind die praktizierten Kapitalismus – Varianten sehr inhomogen. Ihre Beschreibung beschränkt sich auf einige Stichworte. Bei der Nennung der Staaten wird zuerst ein westlicher Musterstaat genannt, mit dem die entsprechende Ex-Republik vom System her am ehesten vergleichbar wäre. Da die Zuordnung schwer fällt, ist bei einigen Ländern ein Fragezeichen angebracht.


Dr. Viktor Heese – Fachbuchautor und Dozent. Die geschilderte Problematik hat er in den Büchern „Die (Un-)Möglichkeit der russischen Imperialpolitik“ (Tectum 2015) und „Russland und die Ex- Sowjetunion heute“ (epubli 2016) detailliert beschrieben.

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Dr. Viktor Heese
Über Dr. Viktor Heese 13 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er hat über das postsowjetische Russland und die ehemalige Sowjetunion die Bücher "Die (Un-)Möglichkeit der russischen Imperialpolitik (Tectum 2015) und 25 Jahre danach "Was ist aus der Ex-Sowjetunion geworden?" (epubli 2016) verfasst.